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Zur
Auflösung der Kommunistischen Internationale Vorwort Der proletarische Internationalismus ist für uns
Kommunistinnen und Kommunisten eine Verpflichtung. Keine kommunistische
Organisation oder Partei wird bestreiten, dass die Erfahrungen der 3
Kommunistischen Internationalen für uns wichtige Erfahrungen sind,
die Grundlagen gelegt haben. Es gibt wenige kommunistische Organisationen und Parteien, die sich bislang zur Auflösung der KI positioniert haben. Wir stellen hiermit unsere Position zur Diskussion und halten die Frage des Aufbaus der KI für elementar für die kommunistische Bewegung. Wir wissen, dass dies nur ein Anfang der wissenschaftlichen Betrachtung und Analyse sein kann. I. Die Kommunistische Internationale: eine prinzipielle Frage des Marxismus-Leninismus Im Jahr 1919 veröffentlichte die KI als Provisorium (bis zur Entwicklung des Programms, das schließlich 1928 angenommen wurde) das Manifest der Kommunistischen Internationale. Darin heißt es zum Charakter der Internationalen: „Im Bewußtsein des weltgeschichtlichen
Charakters ihrer Aufgaben haben die aufgeklärten Arbeiter schon
bei den ersten Schritten ihrer organisierten sozialistischen Bewegung
nach einer internationalen Vereinigung gestrebt. Der Grundstein zu derselben
wurde 1864 in London, in der Ersten Internationale, gelegt. Der deutsch-französische
Krieg, aus dem das Deutschland der Hohenzollern erwachsen ist, untergrub
die erste Internationale, indem er gleichzeitig zu der Entwicklung der
nationalen Arbeiterparteien Anstoß gab. Schon im Jahre 1889 vereinigten
sich diese Parteien auf dem Kongreß in Paris und schufen die Organisation
der Zweiten Internationale. Aber der Schwerpunkt der Arbeiterbewegung
lag in dieser Periode gänzlich auf nationalem Boden, im Rahmen
der nationalen Industrie, im Gebiete des nationalen Parlamentarismus.
(...) Wenn der Krieg von 1870 der Ersten Internationale einen Schlag
versetzte, indem er die Tatsache enthüllte, daß hinter dem
sozialrevolutionären Programm noch keine geschlossene Macht der
Massen stand, so tötete der Krieg von 1914 die Zweite Internationale,
indem er zeigte, daß über den zusammengeschweißten
Arbeitermassen Parteien stehen, die sich in untertänige Organe
des bürgerlichen Staats verwandelten. (...) Indem wir die Halbheit,
Lügenhaftigkeit und Fäulnis der überlebten offiziellen
sozialistischen Parteien verwerfen, fühlen wir, die in der Dritten
Internationale vereinigten Kommunisten, uns als die direkten Fortsetzer
der heroischen Anstrengungen und des Märtyrertums einer langen
Reihe revolutionärer Generationen, von Babeuf bis Karl Liebknecht
und Rosa Luxemburg. Oder dann im Programm der KI 1928; „Die Erste Internationale schuf die geistigen
Voraussetzungen des internationalen Kampfes des Proletariats für
den Sozialismus. Die Zweite Internationale bereitete in ihren besten
Tagen unter den Massen den Boden für die breite Entfaltung der
Arbeiterbewegung. Die Dritte, die Kommunistische Internationale führt
das Werk der Ersten Internationale fort, sie erntete die Früchte
der Arbeit der Zweiten Internationale, verwarf aber entschieden ihren
Opportunismus und Sozialchauvinismus sowie die bürgerliche Verfälschung
des Sozialismus und hat die Verwirklichung der proletarischen Diktatur
begonnen.“ Das heißt einmal, daß bereits Marx und Engels erkannt haben, „daß alle Bestrebungen nach diesem großen
Ziele bisher gescheitert sind an dem Mangel an Solidarität zwischen
den mannigfachen Zweigen der Arbeit in jedem Lande und an der Abwesenheit
eines brüderlichen Bandes der Einigung zwischen den Arbeiterklassen
der verschiedenen Länder; Bereits Marx und Engels manifestierten die objektive Notwendigkeit der internationalen Organisierung. Die Frage des internationalen Zusammenwirkens ist eine prinzipielle. Das Streben nach internationaler Organisierung war von den Anfangen der Arbeiterbewegung von den fortgeschrittensten Teilen der Arbeiterklasse forciert. Heute (bzw. seit Beginn des 20. Jahrhunderts) leben wir in der Epoche der proletarischen Revolution, in der Epoche des faulenden Kapitalismus, des Imperialismus. So heißt es auch in den Richtlinien der KI: „Die neue Epoche ist geboren! Die Epoche der
Auflösung des Kapitalismus, seiner inneren Zersetzung. Die Epoche
der kommunistischen Revolution des Proletariats.“ Daran ändert auch der subjektive Stand der kommunistischen Bewegung nichts. „Das Anwachsen der revolutionären Bewegung in allen Ländern, die Gefahr der Erstickung dieser Revolution durch das Bündnis der kapitalistischen Staaten, die Versuche der sozialverräterischen Parteien, sich zu einigen, ...; endlich die absolute Notwendigkeit der Koordinierung der proletarischen Aktionen – alles das muß zur Gründung einer wirklich revolutionären und wirklich proletarischen Kommunistischen Internationale führen.“ [Richtlinien der KI, aaO, S. 17] Die Kommunistischen Internationale ist also eine objektive Notwendigkeit. Bei der Frage der Prinzipien des Marxismus-Leninismus muss grundsätzlich der objektive Maßstab angelegt werden. Die Frage muß also nicht lauten, ob die Kommunistische
Internationale zur Zeit aufgebaut bzw. besser gegründet werden
kann. Dies wird z.Zt. auch niemand behaupten können. Die Frage
muß eher lauten, ob die Weltrevolution einer kommunistischen Weltpartei
bedarf. „Der Imperialismus schlägt die ganze Welt
in die Fesseln des Finanzkapitals ... Damit stellt der Imperialismus
dem Proletariat unmittelbar die Aufgabe, die Macht zu erobern und nötigt
die Arbeiter, sich aufs engste zur einheitlichen internationalen Armee
der Proletarier zusammenzuschließen; über alle Grenzpfähle,
über alle Unterschiede von Nation, Kultur, Sprache, Rasse, Geschlecht
und Beruf hinweg. So schließt der Imperialismus, der den Prozeß
der Schaffung der materiellen Voraussetzungen des Sozialismus entwickelt
und zu Ende führt, zugleich damit das Heer seiner Totengräber
zusammen, indem er das Proletariat vor die Notwendigkeit stellt, sich
in einer internationalen Kampfassoziation der Arbeiter zu organisieren.“
Für den objektiven Maßstab spricht auch
unsere grundsätzliche marxistisch-leninistische Herangehensweise.
Auch bei der Notwendigkeit der KP in Deutschland setzen wir objektiv
an. „Es ist deshalb unsere historische Aufgabe, an
dem Aufbau der kommunistischen Partei in Deutschland zu arbeiten.“
So müssen wir also fragen, ob die objektive Notwendigkeit
der kommunistischen Weltpartei besteht. Folglich ist es unsere Aufgabe, die Partei der Klasse und damit die Weltpartei aufzubauen. „Die Internationale, die den Interessen der internationalen
Revolution die sogenannten nationalen Interessen unterordnet, wird die
gegenseitige Hilfe des Proletariats verschiedener Länder verkörpern,
denn ohne wirtschaftliche und andere gegenseitige Hilfe wird das Proletariat
nicht imstande sein, die neue Gesellschaft zu organisieren.“ Ohne die Internationale werden wir nicht in der Lage sein, die neue Gesellschaft zu organisieren. Sie ist also Voraussetzung für den Aufbau des Sozialismus.
Weil die Entwicklung der kapitalistischen Länder nicht gleichmäßig, sondern ungleichmäßig, unstet und sprunghaft verlaufen. Genau deshalb ist es auch nicht möglich den Sieg der Weltrevolution auf einen Schlag vollziehen zu können. Die Nationen sind geschaffen vom nationalen Kapital, das die Arbeiterklasse eines jeden Landes bekämpfen müssen. Wenn also unser Kampf der Form nach national ist, ist er doch vom Charakter international. Und dies muß sich folgerichtig auch in der Organisierung niederschlagen. Denn im Unterschied zu Anarchisten vertreten wir Marxisten-Leninisten den dialektischen Materialismus, dessen eines Gesetz die Negation der Negation ist. Wir wissen, daß wir nicht alles zerschlagen, alles neu beginnen werden. Das Gute und Fortschrittliche werden wir übernehmen. Für die zukünftige Gesellschaft müssen wir also schon heute die Grundlagen schaffen.
„ Die Diktatur des Weltproletariats ist daher
die notwendigste und entscheidende Vorbedingung des Übergangs von
der kapitalistischen Weltwirtschaft zur sozialistischen. (...) Sie erfordert,
daß die neuentstehenden proletarischen Republiken sich mit den
bereits bestehenden verbünden, daß das Netz dieser Föderationen
... ständig wächst und daß diese Föderationen schließlich
zur Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken der Welt werden, die
den Zusammenschluß der Menschheit unter der Hegemonie des staatlich
organisierten Weltproletariats verwirklicht.“ Und wir wissen, daß die Räte unter der Führung
der Kommunistischen Partei stehen, folglich müssen wir auch die
kommunistische Weltpartei aufbauen, die die Welträte führen
wird, die Instrument der kommunistischen Welträte als politischer
Form der Diktatur des Weltproletariats sein wird. Aber auch der Imperialismus selbst fordert von uns die internationale Organisierung, denn er selbst schafft die Front des Weltkapitals (ohne zu vergessen, daß die Imperialisten der verschiedenen Länder auch untereinander kämpfen und Widersprüche haben) gegen uns. Da kann es nur heißen: „Waffe gegen Waffe! Gewalt gegen Gewalt!
Nieder mit der imperialistischen Verschwörung des Kapitals! Es
lebe die internationale Republik der proletarischen Räte!“
Denn: „Die Kommunistische Internationale weiß:
um den Sieg schneller zu erringen, muß die um die Vernichtung
des Kapitalismus und für die Schaffung des Kommunismus kämpfende
Arbeiterassoziation eine straff zentralisierte Organisation besitzen.“
„Unsere Aufgabe besteht darin, die revolutionäre
Erfahrung der Arbeiterklasse zusammenzufassen, die Bewegung von den
zersetzenden Beimischungen des Opportunismus und Sozialpatriotismus
zu reinigen, die Kräfte aller wirklich revolutionären Parteien
des Weltproletariats zu sammeln und dadurch den Sieg der kommunistischen
Revolution zu erleichtern und zu beschleunigen.“ „Die Aufgabe der internationalen kommunistischen Partei besteht darin, diese Ordnung umzustürzen und an ihrer Stelle das Gebäude der sozialistischen Ordnung zu errichten.“ [Manifest der KI, aaO, S. 12] „Die Kommunistische Internationale stellt sich
zum Ziel: mit allen Mitteln, auch mit den Waffen in der Hand, für
den Sturz der internationalen Bourgeoisie und für die Schaffung
einer internationalen Sowjetrepublik als Übergangsstufe zur vollen
Vernichtung des Staates zu kämpfen.“
Entsprechend ihrer Aufgabe, die sozialistische Weltrevolution vorzubereiten und durchzuführen, hatte die 3. Internationale einen straffen, nach den Prinzipien des Marxismus-Leninismus orientierten Parteiaufbau.
2. endgültige Struktur ab 1922
3 . Zeittafel Es ist auffallend, dass die Kongresse, Plena, Sitzungen und Tagungen der KI und ihrer Organe im Laufe der Zeit immer weniger wurden. Und dann nach dem 7. Kongress der KI schlagartig aufhörten.
„Die Kommunistische Internationale ... erklärt feierlich vor der ganzen Welt, daß sie es auf sich nimmt, das große Werk, das von der I. Internationalen Arbeiterassoziation begonnen wurde fortzusetzen und zu Ende zu führen.“ [Statuten der KI, aaO, S. 65] Dieses Ziel wurde bei der Auflösung offensichtlich nicht erreicht. Offiziell wurde die Auflösung durch eine Mitteilung des Präsidiums der Kommunistischen Internationale bekanntgegeben und „begründet“. Da diese Mitteilung das einzige offizielle Dokument ist, nehmen wir uns hier den Platz, es vollständig zu zitieren: „Mitteilung des Präsidiums der Kommunistischen Internationale Die Moskauer >Prawda< veröffentlichte am
22. Mai 1943 folgenden Beschluss des Präsidiums des Exekutivkomitees
der Kommunistischen Internationale: Noch lange vor dem Kriege wurde es immer klarer, dass mit der zunehmenden Komplizierung sowohl der inneren als auch der internationalen Situationen der einzelnen Länder die Lösung der Aufgaben der Arbeiterbewegung jedes einzelnen Landes durch die Kräfte irgendeines internationalen Zentrums auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen auch internationalen Situation der wird. Dieser Unterschied der historischen Wege der Entwicklung der einzelnen Länder der Welt, der unterschiedliche Charakter, ja, sogar die Gegensätzlichkeit ihres gesellschaftlichen Aufbaus, der Unterschied im Niveau und im Tempo ihrer gesellschaftlichen und politischen Entwicklung, schließlich der Unterschied im Grade des Bewusstseins und der Organisiertheit der Arbeiter, bedingen auch, dass vor der Arbeiterklasse der einzelnen Länder verschiedene Aufgaben stehen. Der ganze Verlauf der Ereignisse im verflossenen Vierteljahrhundert und die von der Kommunistischen internationale gemachte Erfahrung haben überzeugend gezeigt, dass die Organisationsform, die vom Ersten Kongress der Kommunistischen Internationale zur Vereinigung der Arbeiter gewählt wurde und die den Anforderungen der Anfangsperiode der Wiedergeburt der Arbeiterbewegung entsprach, mit dem Wachstum der Arbeiterbewegung in den einzelnen Ländern und der Komplizierung ihrer Aufgaben sich immer mehr überlebte, ja, sogar zu einem Hindernis für die weitere Stärkung der nationalen Arbeiterparteien wurde. Der von den Hitleristen entfesselte Weltkrieg hat die Unterschiede in der Lage der einzelnen Länder noch mehr verschärft, er schuf eine tiefe Kluft zwischen den Ländern, die zu den Trägern der Hitlertyrannei wurden, und den freiheitsliebenden Völkern, die in der mächtigen Antihitlerkoalition zusammengeschweißt sind. Während in den Ländern des Hitlerblocks die Hauptaufgabe der Arbeiter, der Werktätigen und aller ehrlichen Menschen darin besteht, allseitig auf die Niederlage dieses Blockes durch die Untergrabung der hitlerischen Kriegsmaschine von innen heraus hinzuarbeiten, an dem Sturz der am Kriege schuldigen Regierungen mitzuwirken - ist es in den Ländern der Antihitlerkoalition eine heilige Pflicht der breiten Volksmassen und vor allem der fortgeschrittenen Arbeiter, die Kriegsanstrengungen der Regierungen dieser Länder allseitig zu unterstützen, um den Hitlerblock aus rascheste zu zerschmettern und die Zusammenarbeit der Nationen auf der Grundlage der Gleichberechtigung zu sichern. Dabei darf ebenso nicht aus dem Auge gelassen werden, dass auch einzelne Länder, die der Antihitlerkoalition angeschlossen sind, ihre besonderen Aufgaben haben. So besteht zum Beispiel in den von den Hitleristen okkupierten und ihrer staatlichen Unabhängigkeit beraubten Ländern die Hauptaufgabe der fortgeschrittenen Arbeiter und breiten Volksmassen in der Entfaltung des bewaffneten Kampfes, der in den nationalen Befreiungskrieg gegen Hitlerdeutschland hinüberwächst. Gleichzeitig hat der Befreiungskrieg der freiheitliebenden Völker gegen die Hitlertyrannei die breitesten Volksmassen in Bewegung gebracht, die sich ohne Unterschied ihrer Partei oder Religionszugehörigkeit in den Reihen der mächtigen Antihitlerkoalition zusammenschliessen, und hat offensichtlicher gezeigt, dass der allnationale Aufschwung und die Mobilisierung der Massen zum raschesten Sieg über den Feind durch die Vorhut der Arbeiterbewegung jedes einzelnen Landes am besten und fruchtbarsten im Rahmen ihres Staates verwirklicht werden kann. Schon der Siebente Weltkongress der Kommunistischen Internationale im Jahre 1935, der die Veränderungen berücksichtigte, die sowohl in der internationalen Lage als auch in der Arbeiterbewegung vorsichgegangen waren, und der eine große Beweglichkeit und Selbständigkeit von den Sektionen der Kommunistischen Internationale forderte, unterstrich die Notwendigkeit, dass die Exekutive der Kommunistischen Internationale bei der Beschlussfassung über alle Fragen der Arbeiterbewegung >von den konkreten Verhältnissen und Besonderheiten jedes einzelnen Landes auszugehen und, in der Regel, ein unmittelbares Eingreifen in interne organisatorische Angelegenheiten der kommunistischen Parteien zu vermeiden hat<. Von diesen Erwägungen ließ sich die Kommunistische Internationale leiten, als sie den Beschluss der Kommunistischen Partei der Vereinigten Staaten von Amerika im November 1940 über ihren Austritt aus den Reihen der Kommunistischen Internationale zur Kenntnis nahm und billigte. Die Kommunisten, die sich von den Lehren der Begründer des Marxismus-Leninismus leiten lassen, waren niemals Anhänger der Aufrechterhaltung überlebter Organisationsformen; sie haben immer die Organisationsformen der Arbeiterbewegung und die Arbeitsmethoden dieser Organisationen untergeordnet den grundlegenden politischen Interessen der gesamten Arbeiterbewegung, den Besonderheiten der konkreten gegebenen historischen Lage und den Aufgaben, die aus dieser Lage unmittelbar entspringen. Sie erinnern sich des Beispiels des großen Marx, der die fortgeschrittenen Arbeiter in den Reihen der Internationalen Arbeiterassoziation zusammenschloss und nach der Erfüllung der historischen Aufgabe der Ersten internationale – die Grundlagen für die Entwicklung der Arbeiterpartei in den Ländern Europas und Amerikas zu schaffen – im Ergebnis der herangereiften Notwendigkeit der Schaffung von nationalen Massenarbeiterparteien zur Auflösung der ersten Internationale schritt, da diese Organisationsform diesen Notwendigkeiten schon nicht mehr entsprach. Von den vorstehenden Erwägungen ausgehend, unter
Berücksichtigung des Wachstums und der politischen Reife der kommunistischen
Parteien und ihrer leitenden Kader in den einzelnen Ländern sowie
auch angesichts des Umstands, dass im Verlaufe des jetzigen Krieges
eine Reihe Sektionen die Frage der Auflösung der Kommunistischen
Internationale als leitendes Zentrum der internationalen Arbeiterbewegung
aufwarfen, gestattet sich das Präsidium des Exekutivkomitees der
Kommunistischen Internationale – da es unter den Bedingungen des
Weltkrieges nicht die Möglichkeit hat, den Kongress der Kommunistischen
Internationale einzuberufen – folgenden Vorschlag den Sektionen
der Kommunistischen Internationale zur Bestätigung zu unterbreiten:
Das Präsidium des Exekutivkomitees der Kommunistischen
Internationale ruft alle Anhänger der Kommunistischen Internationale
auf, all ihre Kräfte auf die allseitige Unterstützung und
aktive Teilnahme am Befreiungskrieg der Völker und Staaten der
Antihitlerkoalition zu konzentrieren zur raschesten Zerschmetterung
des Todfeindes der Werktätigen – des deutschen Faschismus,
seiner Verbündeten und Vasallen. Diese offiziellen Gründe können nicht die
wahren gewesen sein, denn die KI hat keine Gleichmacherei der nationalen
KP´s betrieben, sondern von Beginn an auf „Die in der Epoche des Imperialismus gesteigerte
Ungleichmäßigkeit der Entwicklung des Kapitalismus hat eine
größere Verschiedenartigkeit seiner Typen, hat Unterschiede
im Reifegrad und mannigfaltige, besondere Bedingungen des revolutionären
Prozesses in den einzelnen Ländern erzeugt. Eine historisch unbedingt
notwendige Folge dieser Umstände sind die Mannigfaltigkeit der
Wege und die Unterschiede im Tempo der Machtergreifung des Proletariats
wie die Unvermeidlichkeit gewisser Übergangsstadien zur proletarischen
Diktatur in einer Reihe von Ländern. Infolgedessen nimmt auch der
Aufbau des Sozialismus in einzelnen Ländern verschiedene Formen
an.“ Dass die KI ein Hindernis für die nationalen KP´s wurde, blieb reine Behauptung. Vielmehr beweist die Tatsache, dass die meisten kommunistischen Parteien nach Auflösung der KI nach und nach revisionistisch wurden, das Gegenteil. Aufschluß über den wahren Charakter des der Auflösung der KI gibt auch die Tagebuch-Aufzeichnung Georgi Dimitroffs, der die Mitteilung mit verfasste. Am 12.5.1941 schrieb er: „Habe mit Gottwald den Leitartikel für die
„KI“ redigiert. Man müßte darauf hinweisen, daß in der gegenwärtigen Etappe nicht die Anleitung der Bewegung in den verschiedenen Staaten von einem internationalen Zentrum aus das wichtigste ist, sondern vielmehr das Schwergewicht auf die Bewegung und ihre Führung in jedem einzelnen Land zu legen und die Selbständigkeit der KP in vollem Umfang zu entwickeln ist; sie sind in der Lage, die Arbeiterbewegung der jeweiligen Länder selbst zu führen, ihre Strategie, ihre Taktik und Organisation selbst zu bestimmen und die volle Verantwortung für die Arbeiterbewegung ihres Landes zu tragen; wobei sie sich voll und ganz auf ihre eigenen Kräfte und Fähigkeiten verlassen. Man muß die Idee einer Verbindung von gesundem und richtig verstandenem Nationalismus mit dem proletarischen Internationalismus entwickeln. Der proletarische Internationalismus muß sich auf diesen Nationalismus in den einzelnen Staaten stützen. (Gen. St[alin] hat erklärt, daß es zwischen einem richtig verstandenen Nationalismus und dem proletarischen Internationalismus keinen Widerspruch gibt und geben kann. Ein heimatloser Kosmopolitismus, der nationale Gefühle, die Idee der Heimat negiert, hat mit dem proletarischen Internationalismus nichts gemein. Ein solcher Kosmopolitismus bereitet den Boden für die Anwerbung von Spionen und Agenten des Feindes.) Die Ideen der Kommunistischen Internationale sind in den Reihen der führenden Schichten der Arbeiterklasse in den kapitalistischen Staaten tief verwurzelt. In der gegenwärtigen Epoche ist es erforderlich, daß sich die kommunistischen Parteien als selbstständige nationale Parteien entwickeln. Nach einer Blütezeit der nationalen kommunistischen Bewegung in den einzelnen Ländern wird in der nächsten Etappe auf festerer und breiterer Basis eine Basis eine internationale kommunistische Organisation wiederstehen. Man muß deutlich machen, daß die Auflösung
des EKKI keine Absage an die internationale proletarische Solidarität
bedeutet. Im Gegenteil – es ändern sich nur ihre Erscheinungsformen
und Methoden, damit die Formen und Methoden der gegenwärtigen Etappe
der internationalen Arbeiterbewegung besser entsprechen. Es ließe sich zu dieser Tagebuchaufzeichnung Dimitroffs eine Menge erwidern. Wir wollen uns vorliegend darauf beschränken festzuhalten, dass bereits 1941 die Bestrebungen zur Auflösung der KI in vollem Gange waren. Es wurde aber keineswegs daran gedacht, einen (längst fälligen) Kongreß der KI für diese doch prinzipielle und allentscheidende Frage einzuberufen. Nein, es wurde angefangen über die Art der taktischen (!) Verbreitung nach außen zu diskutieren. Die wahren Gründe blieben im Verborgenen.
Die Marxisten-Leninisten in der KI wie in der SU konnten kein Interesse an dem Fortbestand der KI unter revisionistischer Führung haben. Ihre Bestrebungen waren es, eine neue internationale Organisation unter antirevisionistischer, marxistisch-leninistischer Führung aufzubauen. Das war das im Jahre 1947 gegründete „Kommunistische Informationsbüro“, kurz Kominform. So argumentiert auch Gen. Stalin bei seiner Unterstützung
der Auflösung der KI nicht mit den offiziellen Argumenten. „Die Auflösung der Kommunistischen Internationale
ist angebracht und richtig.“ Und als Grund für seine Unterstützung des EKKI-Beschlusses gab er an, dass „...sie die Anstrengungen aller Patrioten aller
Länder zur Vereinigung der friedliebenden Völker in einem
einheitlichen internationalen Lager für den Kampf gegen die drohende
Weltherrschaft des Hitlerismus erleichtert.“ Man kann interpretieren, dass Gen. Stalin davon ausging,
dass ohne die KI der Kampf gegen den Faschismus, die Zusammenarbeit
der Alliierten einfacher wäre. So ist es auch nicht abwegig, die
Auflösung der KI als Zugeständnis an die Alliierten für
die Anti-Hitler-Koalition zu sehen. Somit könnte die Auflösung
auch ein taktisches Zugeständnis zur Zeit des 2. WKs gewesen sein,
um sie anschließend wiederzugründen. Fakt ist aber, dass die Revisionisten, die sich in der KI ausbreiteten, die KI so schnell als möglich auflösen wollten. Und dazu keinen neuen Kongress einberufen wollten. Das legt zumindest die Vermutung nahe, dass sie davon ausgingen, dass die kommunistischen Parteien bei ernsthafter Diskussion diesen Bestrebungen Paroli geboten hätten. So konnte hingegen verkündet werden: „Der Vorschlag des EKKI-Präsidiums
wurde von 31 Sektionen unterstützt. Nicht eine einzige kommunistische
Partei erhob Einwände. ... Nach eingehender Prüfung der Texte
mit den Beschlüssen der kommunistischen Parteien, ..., wurde am
8. Juni 1943 ... beschlossen, die Kommunistische Internationale mit
Wirkung vom 10. Juni 1943 aufzulösen.“
Die Auflösung der KI 1943 war ein großer Rückschlag für die kommunistische Weltbewegung. Sie hat ihre Führung verloren und wurde sogar in Zweifel gebracht über die Bedeutung der Kommunistischen Weltpartei für den Kampf für des Sozialismus. Wir, die Organisation Roter Oktober, wissen, dass der Sozialismus weltweit nur siegen kann, wenn wir wieder eine internationale Organisation der Arbeiterklasse aufbauen. Es lebe der proletarische Internationalismus!
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Übersicht I. Die Kommunistische Internationale: eine prinzipielle Frage des Marxismus-Leninismus II. Organisatorische Grundlagen der KI III. Gründe für die Auflösung der KI IV. Warum sich die ML´er nicht der Auflösung der KI widersetzten V. Nach der Auflösung kann es nur heißen: Für den Aufbau der Kommunistischen Internationale! |