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Solidarität mit der Intifada!


Für das Selbstbestimmungsrecht des palästinensischen Volkes!


Geschichte

Die Gründung des Staates Israels

UNO-Resolution von 1947
Während die Forderungen nach einem eigenen Staat für die Jüdinnen und Juden zumindest seit Begründung des Zionismus offen vorgetragen wurden, kam nach den Machtspielen der Imperialisten unter Mandatsverwaltung des palästinensischen Gebiets die Palästinafrage nach dem zweiten Weltkrieg immer mehr ins Blickfeld. Dies hatte im wesentlichen drei Gründe:
1. Nach Beendigung des zweiten Weltkriegs hatte sich die Krise des Kolonialsystems weiter verschärft und die englische Politik in dem seit 1920 unter englischer Mandatsverwaltung gestellten Palästina scheiterte.
2. Auf der anderen Seite wurde gerade vom US-Imperialismus die Forderung der jüdischen bürgerlichen Nationalisten nach Schaffung eines jüdischen bürgerlichen Staates gefördert und forciert [vgl. Grosse Sowjet-Enzyklopädie Reihe Länder der Erde, Israel, 1952, in: Dokumente zum Studium der Palästina-Frage (1922-1948), Texte internationaler revolutionärer Erfahrungen, Verlag Olga Benario und Herbert Baum, S. 151].
3. Schließlich bot der Genozid des deutschen Faschismus an den Jüdinnen und Juden während des 2. Weltkriegs eine gute Argumentationsgrundlage, der internationalen Gemeinschaft die Durchsetzung imperialistischer und besonders US-imperialistischer Interessen als im Interesse der jüdischen Bevölkerung zu verkaufen.
So musste sich die englische Regierung im Jahr 1947 damit einverstanden erklären, dass die Palästinafrage der UNO zur Entscheidung vorgelegt wird. Dabei rechnete die englische Regierung damit, daß die UNO die Vollmachten Englands für die Verwaltung Palästinas bestätigen und verlängern werde [vgl. ebenda].
Am 29. November 1947 jedoch wurde das englische Mandat über Palästina aufgehoben [vgl. Große Sowjet-Enzyklopädie, ebenda] und endete schließlich am 15. Mai 1948 [vgl. Information zur politischen Bildung, Israel, 1995, S. 8].
Die UNO verabschiedete die Resolution 181, die 2 Staaten vorsah: einen jüdischen und einen arabischen. Jerusalem sollte neutralisiert werden [vgl. http://www.uni-kassel.de/frieden/regionen/Palaestina/kurzinfo.html].

Die Interessen der englischen und US-Imperialisten am Mittleren Osten
Gerade im Hinblick auf das Erstarken des sozialistischen Lagers und der kommunistischen Bewegungen im Mittleren Osten – vor allem in Ägypten, Syrien, Libanon und auch Palästina [vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkes, La Forge, November 2000, S. 5] - rückte die Region für die Imperialisten mehr und mehr ins Blickfeld. Auf keinen Fall wollten sie ihre Besatzungsbastion hier fallen lassen. Ein Standbein in Form eines Staates der Imperialisten im Mittleren Osten konnte daher nur in ihrem Interesse sein.
Zeitgleich waren die Lösungsvorstellungen von den Widersprüchen innerhalb des imperialistischen Lagers geprägt. In diesem Kampf konnte sich der US-Imperialismus durchsetzen. Doch vereinte die Imperialisten der Kampf gegen die Befreiung des palästinensischen Volkes, so dass schließlich 2/3 aller UNO-Mitglieder der Resolution zustimmte [vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkers, aaO, S. 5].

Warum die Sowjetunion der UNO-Resolution zustimmte
Die Sowjetunion hingegen forderte bei der Behandlung der Palästinafrage vor der UNO im Jahr 1947:
- das britische Mandat über Palästina aufzuheben und
- die Schaffung eines arabisch-jüdischen demokratischen Staat.
Wenn dies nicht möglich sein sollte, forderte die SU hilfsweise zwei unabhängige Staaten: einen arabischen und einen jüdischen [vgl. ebenda].
Angesichts der künstlichen Verschärfung der Beziehungen zwischen Juden und Arabern durch die Imperialisten konnte erster Vorschlag nicht verwirklicht werden [vgl. ebenda].

Proklamation des Staates Israel
Am 14. Mai 1948 – noch einen Tag vor dem Abzug der letzten englischen Truppen – wurde der israelische Staat von David Ben Gurion im städtischen Museum Tel-Aviv verkündet [vgl. www.stud.uni-leipzig.de/~soz96jtv/depege/zeittaf1.htm]. Die Sowjetunion erkannte Israel am 17. Mai 1948 an [vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkes, aaO, S. 5].
Israel war aber nicht der demokratische und unabhängige Staat, dessen Bildung die sowjetische Delegation auf der Generalversammlung der UNO vorgeschlagen hatte. Im israelischen Staat kamen jüdische bürgerliche Nationalisten, die Zionisten, an die Macht, die sich die Schwäche der antiimperialistischen Bewegung in Palästina zunutze machten und die Unterstützung der Imperialisten der USA und Englands genossen [vgl. Grosse Sowjet-Enzyklopädie, aaO, S. 151].

Der Krieg 1948/49
Sogleich nach Bildung der neuen Regierung in Israel provozierten der englische und der US-Imperialismus einen Krieg zwischen Israel einerseits und sieben arabischen Staaten, die der Arabischen Liga angehörten (Ägypten, Irak, Saudi-Arabien, Syrien, Libanon, Jordanien (bis 1949 Transjordanien) und Jemen) [vgl. Grosse Sowjet-Enzyklopädie, aaO, S. 152].
Ägyptische, jordanische, syrische und (wesentlich schwächer) libanesische und irakische Truppen marschierten in Palästina ein. Die israelische Armee wurde vom 14. Juni an mit Waffen von der SU (über die Tschecheslowakai) unterstützt [vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkes, aaO, S. 5f.].
Der Krieg dauerte bis Juli 1949. Am Ende hatte Israel 1/3 mehr palästinensisches Territorium besetzt als es im Teilungsplan der UNO vorgesehen war. Der Staat Israel war auf mehr als 75% von Palästina errichtet. Das Westjordanland wurde von Jordanien annektiert und der Gaza-Streifen wurde von Ägypten besetzt [vgl. Intifada, Überblick über die Geschichte, S. 2f.].
Das Ergebnis dieses Krieges war, dass die Palästinenserinnen und Palästinenser nicht nur keinen palästinensischen Staat bekommen hatten – wie ihnen letztmalig in der UNO-Resolution 181 versprochen worden war -, sondern auch noch große Teile des ihnen zugesprochenen Territoriums direkt an Israel verloren haben. Nur der Gaza-Streifen und das Westjordanland „entkamen“ der israelischen Kontrolle, waren aber ihrerseits besetzt.

Die Interessen der arabischen Staaten
Die arabischen Staaten und die palästinensischen Führer dieser Zeit hatten die Pläne der UNO abgelehnt und vorgesehen, sofort in einen neu gegründeten Staat Israel einzumarschieren und diese Bestrebungen zu bekämpfen.
Die arabischen Staaten ihrerseits hatten starke Interessen an Palästina. Die palästinensische Frage war eine Kernfrage und vor allem anderen standen die eigenen nationalen Interessen der arabischen Staaten. Viele Staaten standen unter reaktionärer Führung (man darf nicht vergessen, dass es zu dieser Zeit noch keinen Nasser gab) und wollten ihrerseits die Kontrolle über bzw. die Einverleibung der palästinensischen Region. So das Westjordanland für Jordanien, den Gazastreifen für Ägypten, Syrien hatte seine eigenen Interessen etc.
So waren auch nicht alle arabischen Staaten generell gegen die Bildung eines jüdischen Staates in Palästina, solange sie ihre eigenen Interessen noch durchsetzen könnten und solange Jerusalem nicht unter jüdische Kontrolle käme [vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkes, aaO, S. 5].
Am 17. November 1947 z.B. vereinbarten Golda Meir und der jordanische König Abdalah, dass sich Jordanien das Westjordanland einverleiben darf und im Gegenzug die jordanische Legion nicht intervenieren wird. Diese war aber eine der einzigen arabischen Armeen der Region, die in der Lage gewesen wäre, der israelischen Armee Paroli zu bieten [vgl. ebenda].
So kam es dann auch. Im Dezember 1949 verkündete Abdalah, dass er den von ihm besetzten Teil Palästinas Jordanien eingliedern werde. Im April 1950 einigte er sich mit dem israelischen Premierminister Ben-Gurion über die Aufteilung des arabischen Gebiets von Palästina zwischen Israel und Jordanien. Der englische und US-Imperialismus erklärten sich mit dieser Teilung einverstanden [vgl. Grosse Sowjet-Enzyklopädie, aaO, S. 152].

Der Krieg läßt den US-Imperialismus erstarken
Der Krieg 48/49 vergrößerte den US-imperialistischen Einfluß in Palästina. Die amerikanischen Imperialisten entfalteten eine noch stärkere Aktivität in Israel. Sie verdrängten England aus seinen Positionen und verwandelten Israel in eine Kolonie und in eine strategische Basis im Nahen Osten, die für den Aggressionskrieg dienen soll [vgl. ebenda].


Das System der Vertreibung

Die Vertreibung der Palästinenser
Im Zusammenhang mit dem Krieg 48/49 ist auch die massive Vertreibung der Palästinenser durch die Armee und die paramilitärischen Gruppen zu sehen. Die Zahlen variieren zwischen 700 und 900.000 Palästinenserinnen und Palästinensern. Die Hälfte der Menschen floh vor dem Krieg, die andere Hälfte wurde schlicht und ergreifend von der israelischen Armee und den paramilitärischen Gruppen vertrieben, um Platz zu machen für die jüdischen Kolonien [vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkes, aaO, S. 6].
Die Flüchtlinge leben seit damals in den Lagern und ihre Anzahl ist bis heute auf 4,9 Millionen Menschen angewachsen. [vgl. Intifada, Überblick über die Geschichte, S. 3]
Bis heute betreibt die offizielle israelische Geschichtsschreibung Revisionismus (=Verfälschung), indem sie behauptet, die Palästinenserinnen und Palästinenser wären auf Weisung der palästinensischen Führung geflohen, die ihnen eine baldige Wiederkehr nach einem schnellen Sieg über die israelische Armee versprochen hätte. Neuere israelische Arbeiten widerlegen selbst diese Thesen, die doch letztlich das Ziel haben, die Verantwortung für die Vertreibung des palästinensichensVolkes durch die Politik des israelischen Staates von sich zu weisen [vgl. ebenda].

Konzeption der Vertreibung
Diese Politik ist so einfach wie grausam und läßt sich im groben durch 4 Schritte beschreiben.
1. Vertreibung der Palästinenserinnen und Palästinenser mit Gewalt bzw. solange Terror bis sie „freiwillig“ gehen.
2. Annektierung ihres Besitzes. (Ein Gesetz über „aufgegebenes Eigentum“ vom Dezember 1948 schaffte die Grundlage für die Pfändung palästinensischen Vermögens, wenn die Eigentümer geflohen sind.)
3. Massiver und schneller Siedlungsbau.
4. Spuren palästinensischer Dörfer verwischen bzw. verschwinden lassen. (Und damit die zionistische These zu belegen, es gäbe kein palästinensisches Volk.)
[vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkes, aaO, S. 6]
Am 12. Mai 1949 unterzeichnete Israel ein Protokoll unter der Schirmherrschaft der UNO, wonach sie den palästinensischen Flüchtlingen das Rückkehrrecht zuerkannten [vgl. ebenda]. Im Gegenzug wurde Israel am 11. Mai 1949 in die UNO aufgenommen [vgl. http://www.stud.uni-leipzig.de/~soz96jtv/depege/zeittaf1.htm].
Auch wenn Israel offiziell das Rückkehrrecht der Palästinenserinnen und Palästinenser anerkannte, tat es doch in Wirklichkeit alles, um neue Fakten zu schaffen und dies für immer zu verhindern. Die Bevölkerung Palästinas durch jüdische Menschen wurde beschleunigt. Im Juni 1950 verabschiedete Israel das Gesetz über die Rückkehr, nachdem alle Jüdinnen und Juden das Recht haben, nach Israel einzuwandern. Es wurde viel schwieriger, die israelische Nationalität als Nicht-Jude zu bekommen [vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkes, aaO, S. 6].

Israels reaktionäres Regime und der Widerstand
Hochgeputscht durch den US- und englischen Imperialismus betrieben die herrschenden Kreise Israels eine reaktionäre Politik mit dem Ziel, die fortschrittlichen und demokratischen Kräfte mundtot zu machen und die jüdischen Werktätigen und die im Grunde rechtlose arabische Minderheit zu unterdrücken. Die Verstärkung der Reaktion und die systematische Senkung des Lebensstandards der Werktätigen begegneten dem ständig wachsenden Widerstand der demokratischen Kräfte Israel, deren Vortrupp die von der Kommunistischen Partei geführte Arbeiterklasse bildete.
- Im Jahre 1949 erfolgten große Streiks in der Industrie und in Verkehrsbetrieben.
- 1950 streikten die Hafenarbeiter in Haifa.
- Im gleichen Jahr erfaßte die Massenprotestbewegung der Arbeiterinnen und Arbeiter gegen die Lohnsenkung 125 Betriebe mit insgesamt 10.000 Lohnabhängigen.
- Im Januar 1951 streikten in Israel die Metallarbeiter.
- Im Februar 1951 beteiligten sich an dem Solidaritätsstreik für die Metallarbeiter über 50.000.
- Anfang Februar 1952 streikten die israelischen Seeleute.
- Die Friedensbewegung entfaltete sich auf breiter Basis
[vgl. Grosse Sowjet-Enzyklopädie, aaO, S. 153].


Ein Land im ständigen Krieg

Die Suez-Krise 1956
Am 23. Juli 1952 wurde der König von Ägypten Farouk mit Unterstützung „freier Offiziere“ gestürzt und Nasser kam an die Macht. Nasser war seit langem aktiv im Kampf gegen den englischen Kolonialismus und gegen das feudale Regime in Ägypten [vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkes, aaO, S. 6]. Mit der Machtübernahme Nassers veränderte sich die Lage im Nahen Osten erheblich. 1955 näherte sich das von Nasser regierte Ägypten dem sozialistischen Lager an [vgl. Informationen zur politischen Bildung, Nr. 247, 1995, S. 9]. 1956 verstaatlichte Nasser den Suezkanal und verhängte neben der Blockade der Strasse von Tiran am Ausgang des Golfes von Akaba zum Roten Meer die Sperrung des Suezkanals für israelische und nach Israel fahrende Schiffe. Das widersprach vor allem den Interessen der englischen und französischen Imperialisten, die Hauptteilhaber der Suezkanal-Gesellschaft waren [vgl. ebenda]. Die Stationierung ägyptischer Truppen auf der Sinai-Halbinsel wurde als Grund für den Krieg genannt. In Wirklichkeit ging es darum aber nicht.
Am 29. Oktober 1956 marschierte Israel nach geheimen Absprachen mit Großbritannien und Frankreich, die gleichzeitig Truppen am Suezkanal landeten, in den Sinai und den Gazastreifen ein. In einem 8 Tage dauernden Krieg eroberte die israelische Armee den Gazastreifen und die Halbinsel Sinai und überschritten bis zu 16 km den Suezkanal.
Durch ein Ultimatum sowohl von der Sowjetunion als auch von den USA zog sich Israel in mehreren Etappen bis März 1957 aus den besetzten Gebieten zurück mit dem Beschluß, UN-Truppen entlang der ägyptisch-israelischen Grenze zu stationieren und der Zusicherung Kairos, die Blockade des Golfs von Akaba aufzuheben [vgl. Informationen zur politischen Bildung, aaO, S. 9].

Der 6-Tage-Krieg 1967
Die Gründung der PLO 1964 gab dem Kampf der Palästinenserinnen und Palästinenser in den Flüchtlingslagern vor allem in Jordanien und im Libanon endlich eine einheitliche Führung. Die Bewegung erstarkte und die arabischen Führer hinter Nasser traten offensiver auf. Am 5. Juni 1967 sperrte Nasser die Strasse von Tiran [vgl. Der nationale Kampf des palästinensichen Volkes, aaO, S. 6]. Dies war aber nicht der wirkliche Kriegsgrund für das imperialistische Israel. So sagte der damalige Staatschef Rabin einige Jahre später: „Ich glaube nicht, dass Nasser den Krieg wollte. Die zwei Divisionen, die er am 14. Mai in den Sinai geschickt hat, hätten nicht für einen Angriff gegen Israel gereicht. Er wußte es und wir wußten es“ [Les cent portes du Proche-Orient, zitiert aus: Der nationale Kampf des palästischen Volkes, aaO, S. 6. Übersetzung aus dem Französischen von RO].
In Wirklichkeit wollten die israelischen Imperialisten ihre doch bislang sehr verwundbare geographische Lage verbessern, strategische Tiefe erlangen [vgl. Informationen für politische Bildung, aaO, S. 10]. Und die Vertreibung der Palästinenserinnen und Palästinenser fortsetzen.
In einem Blitzangriff eroberte Israel das Westjordanland (vorher unter jordanischer Besatzung), den Gaza-Streifen (verher von Ägypten), die Golan-Höhlen (genommen von Syrien), den Sinai (genommen von Ägypten) und Ost-Jerusalem (genommen von Jordanien) [vgl. Intifada, Überblick über die Geschichte, S. 3].
Eine Woche nach der Besatzung Ostjerusalems annektierte Israel diesen und erklärte Jerusalem zur „vereinigten Hauptstadt Israels“ [vgl. ebenda, S. 4].

Erneute Flüchtlingswelle
Die Folge des 6-Tages-Krieges war eine erneute Kolonialisierungswelle, dieses Mal in Ost-Jerusalem, mit 250.000 neuen palästinensischen Flüchtlingen [vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkes, aaO, S. 6]. Und etwa 350.000 Menschen aus der Westbank, vor allem nach Jordanien [vgl. Informationen zur politischen Bildung, Israel, Nr. 278, 2003].
Das Magharbeh-Viertel in Ostjerusalem, das gleich an der Westmauer der Aqsa-Moschee lag, wurde gleich gesprengt und die Bewohnerinnen und Bewohner aus Jerusalem vertrieben. Tausende arabische Familien wurden aus der Stadt vertrieben und durch jüdische ersetzt. Den übrigen Arabern wurden die Baugenehmigungen verweigert und der Nachwuchs musste in die Umgebung ziehen, wo man nach 6 Monaten den Status eines Bürgers von Jerusalem verliert und wo die Militärgesetze des besetzten Westjordanlandes gelten. Alte arabische Häuser wurden wegen „fehlender Baugenehmigung“ abgerissen und durch Wohnhäuser für jüdische Familien ersetzt. Das Projekt „Großjerusalem“ dehnte die Fläche der Stadt auf ein Drittel des Westjordanlands aus. Das arabische Viertel wurde so durch einen Gürtel jüdischer Siedlungen umzingelt und vom restlichen Westjordanland isoliert [vgl. Intifada, Überblick über die Geschichte, S. 4].

Die Resolution 242
Am 22. November 1967 verabschiedete die UNO die Resolution Nr. 242, die eine gerechte Lösung der Flüchtlingsfrage und den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten forderte [vgl. http://www.stud.uni-leipzig.de/~soz96jtv/depege/zeittaf1.htm]. Gleichzeitig wurde der freie Zugang zum Suez-Kanal und dem Golf von Akaba, sowie die gegenseitige Anerkennung der Staaten der Region beschlossen [vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkes, aaO, S. 7].
Die Forderung nach dem Rückzug der israelischen Truppen aus den besetzten Gebieten von 1967 ist bis heute nicht erfüllt!

Der „Schwarze September“
Das jordanische Regime hatte enge Bindungen zu den westlichen imperialistischen Mächten und war beunruhigt über das politische Gewicht der Palästinenser in Jordanien. Am Anfang der 50er Jahre waren eine Millionen der 1,5 Millionen Gesamtbevölkerung Jordaniens Palästinenserinnen und Palästinenser (Westjordanland inbegriffen) [vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkes, aaO, S. 7]. Das konservative Regime wollte die palästinensischen Kommandotrupps loswerden, die ihre Stützpunkte in Jordanien installiert hatten. Eine Fraktion der PLO glaubte, das jordanische Regime stürzen zu können [vgl. ebenda].
So waren schon über zwei Jahre die jordanischen Dörfer im Jordantal nicht mehr unter Kontrolle der Jordanier [vgl. Informationen zur politischen Bildung, Nr. 247, aaO, S. 10]. Die jordanische Armee griff im September 1970 die palästinensischen Kämpfer an. Auf Befehl des Königs Hussein schlug das jordanische Militär die Fatah-Einheiten im ganzen Land nieder [vgl. ebenda]. Die Kämpfe forderten tausende palästinensische Opfer und ein Jahr später verließ die PLO Jordanien [vgl. Der nationale Kampf..., aaO, S. 7]. Dieses Massaker ging mit dem Namen „Schwarzer September“ in die Geschichte ein und wird bis heute von der zionistischen Propaganda benutzt, um zu „belegen“, dass die Palästinenser in erster Linie Opfer ihrer arabischen „Brüder“ sein [vgl. ebenda].

Der Krieg von 1973
Eingefädelt von Sadate (dem Nachfolger Nassers, der 1970 während einer Konferenz der Arabischen Liga in Kairo einem Herzanfall erlag), gefolgt von Syrien und praktisch von allen arabischen Staaten unterstützt startete Ägypten am Suezkanal und Syrien auf den Golanhöhen am 6. Oktober 1973 einen koordinierten Überraschungsangriff gegen Israel. Ägypten ging es vor allem um die Rückeroberung des Sinai, das Ölvorkommen bietet. Saudi-Arabien versagte allen Staaten, die Israel unterstützen würden, die Lieferung von Öl [vgl. Informationen zur politischen Bildung, Nr. 278, S. 58]. Der Krieg, der von den Arabern Ramadan- oder Oktoberkrieg, von den Israelis Jom-Kippur-Krieg nach religiösen Feiertagen benannt ist, dauerte drei Wochen [vgl. Informationen zur politischen Bildung, Nr. 247, aaO, S. 11]. Nach anfänglichen Erfolgen der arabischen Armeen konnten die israelischen Streitkräfte schließlich die Oberhand gewinnen und über den Suezkanal nach Ägypten und im Norden bis 32 Kilometer vor Damaskus vorstoßen [vgl. ebenda].
1974 wurde ein ägyptisch-israelisches und ein syrisch-israelisches Truppenentflechtungsabkommen abgeschlossen, durch die Syrien und Ägypten Teile des seit 1967 besetzten Gebiets zurückbekamen.
Der Oktoberkrieg – auch wenn er letztlich eine Niederlage für die arabischen Staaten war – zeigte doch auch, dass das imperialistische Israel nicht unbesiegbar ist und war somit auch ein politischer Sieg.

Der israelisch-ägyptische Friedensvertrag
In den nächsten Jahren punktete Israel auf diplomatischem Gebiet. Im November 1977 stattete Sadate dem Knesses (israelisches Parlament) einen Besuch ab und am 26. März 1979 wurde ein Friedensvertrag zwischen den zwei Ländern unterschrieben. Ägypten bekam 1982 den Sinai wieder [vgl. Der nationale Kampf..., aaO, S. 7].
Die Entscheidung Ägyptens, mit Israel Land gegen Frieden zu tauschen, wurde von vielen arabischen Ländern als unzulässiger Alleingang Ägyptens kritisiert. Er verschlechterte auch massiv die Kampfbedingungen für das palästinensische Volk. Dadurch, daß Israel Ägypten „aufgekauft“ hatte, brauchte es kaum noch arabische Reaktionen auf eigene Schritte zu befürchten [vgl. Informationen zur politischen Bildung, Nr. 278, aaO, S. 59].
So weitete der israelische Imperialismus in den folgenden Jahren den Siedlungsbau in den besetzten Gebieten aus, annektierte Ost-Jerusalem 1980 und Anfang 1981 den Golan [vgl. ebenda].

Der Einmarsch im Libanon
Im Sommer 1982 startete Israel eine Großinvasion im Libanon. Regierungschef Begin und sein Kriegsminister Ariel Scharon wollten die PLO endgültig vernichten, Syrien schwächen und im Libanon ein israel-freundliches Regime installieren [vgl. ebenda; Der nationale Kampf..., aaO, S. 8].
Dieser Krieg stellte die Kämpferinnen und Kämpfer der PLO und die fortschrittlichen Libanesen direkt der israelischen Armee unterstützt durch libanesischen Milizen gegenüber. Hauptkampfort war Beirut. Am 30. August musste die PLO Beirut verlassen. Am 16. und 17. September massakrieren die christlichen Milizen mehrere hundert Flüchtlinge in den Lagern Sabra und Schatila unter dem „Schutz“ von Sharons Soldaten. Zwischen Israel und dem Libanon errichtet Israel eine Pufferzone durch die Südlibanesische Armee, um Israel vor Angriffen der Hisbollah zu schützen. Viele von ihnen versuchten später nach Israel zu fliehen, als Israel das libanesische Territorium fast 20 Jahre später, nämlich Mitte 1999, verließ [vgl. La Forge 388, unter www.pcof.net].

Anerkennung Israels durch die arabischen Staaten
Im September 1982 beschlossen die arabischen Staatschefs im marokkanischen Fez einen weitreichenden Plan, der wesentlich von ihren bisherigen Positionen abwich.
Er forderte
- den Abzug Israels aus den 1967 besetzten Gebieten,
- die Räumung der Siedlungen,
- die Errichtung eines unabhängigen palästinensischen Staates,
- internationale Friedensgarantien
- „für alle Staaten“, was somit Israel konkludent einschloss
[vgl. Informationen zur politischen Bildung, Nr. 278, aaO, S. 59].

Intifada – Wir können uns nur selbst befreien!

Intifada 87
Im Dezember 1987 begann die erste Intifada im Gaza-Streifen und im Westjordanland Die Palästinenserinnen und Palästinenser nahmen ihre Befreiung nun wirklich selbst in die Hand.
Bald dehnte sich der Aufstand auch auf Jerusalem aus, trotz und aufgrund der Repression durch Rabin als Handlanger der isralischen herrschenden Klasse. 1000e junge Aktivistinnen und Aktivisten wurden geschlagen, verhaftet, eingesperrt. 1988 waren10.000 der 1,7 Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser Gefangene [vgl. Der nationale Kampf..., aaO, S. 8]! Die jugendlichen Befreiungskämpfer waren unter israelischer Besatzung groß geworden und ihr Schlag war ein Aufschrei für das Recht des palästinensichen Volkes auf Selbstbestimmung. Losgestoßen von den Jugendlichen, fand und findet die Intifada Unterstützung in allen Bevölkerungsschichten und vereinigt die verschiedenen palästinensischen Organisationen. Es wurde eine Plattform verabschiedet, die einen unabhängigen palästinensischen Staat im Westjordanland und dem Gazastreifen fordert. Einzig die Hamas lehnte die Plattform ab. Israel reagierte auf die Forderungen des palästinensischen Volkes mit noch schärferer Repression. Dies führte auch zu Frustrationen unter den Palästinenserinnen und Palästinensern, wodurch sich einige der Hamas anschliossen [vgl. ebenda].

2.Golfkrieg 1991
Hinsichtlich der Palästinafrage ist auch der 2. Golfkrieg gegen Irak zu sehen, der am 2. August 1990 begann und bis zum Februar 1991 andauerte. Saddam Hussein hatte sich als Verteidiger des palästinensischen Volkes verkauft, indem er einige Scud-Raketen auf Israel abschoss. Eine der Konsequenzen dieses ersten imperialistischen Krieg nach Zerfall der SU war der Gipfel in Madrid im Oktober 1991, der eine „gerechte und endgültige Lösung für die Probleme der Region“ finden sollte, wovon auch an erster Stelle die Palästina-Frage stand. Seit dieser Konferenz wurden die Kontakte zwischen israelischen und palästinensischen Führern intensiver – unter dem Druck der Großmächte, besonders der USA [vgl. Der nationale Kampf, aaO, S. 8].

Oslo I - Abkommen
Der Widerstand des palästinensischen Volkes durch die Intifada hat die Palästinafrage wieder aufs Trapez geholt und war der Beginn eines Verhandlungsprozesses zwischen Israel und der PLO unter der Schirmherrschaft der USA [vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkes, aaO, S. 8]. Weder Israel noch die imperialistischen Großmächte hatten ein Interesse an dem Fortbestand der Intifada. Israel mußte feststellen, dass auch die schärfste Repression den gerechten Kampf des palästinensischen Volkes nicht aufhalten kann und die imperialistischen Westmächte wollten ruhige Handelsbeziehungen mit dem Nahen und Mittleren Osten. Da konnte die Intifada nur stören.
So wurde schließlich am 13. September 1993 in Washington das israelisch-palästinensische Prinzipienabkommen oder Oslo-I-Abkommen unterzeichnet [vgl. Informationen zur politischen Bildung, Nr. 278, aaO, S. 60]. Ziel war die gegenseitige Anerkennung, um die Autonomie der Gebiete erlangen zu können. Israel sollte nach und nach Territorium und politische Zuständigkiten an die dazu gebildete Palästinensische Autorität (PA) übergeben. Alle wesentlichen Fragen jedoch, darunter
- der Status von Jerusalem
- die Zukunft der israelischen Siedlungen
- das Wasser
- die Grenzen zwischen Israel und Palästina
wurden auf später verschoben [vgl. Informationen zur politischen Bildung, Nr. 278, aaO, S. 60f].
Die PLO wurde im Gegenzug als „Vertreter der Palästinenser in den im Jahr 1967 besetzten Gebieten“ anerkannt, ebenso die Autonomie der Palästinenserinnen und Palästinenser in den großen Städten während der Übergansperiode. Man darf nicht vergessen, dass Autonomie bei weitem nicht Selbstbestimmung bedeutet – unter den Bedingungen von Oslo I (und bis heute) erst recht nicht.
Dennoch: das Abkommen hat große Hoffnungen auf einen „friedlichen“ Weg zur Selbstbestimmung in der palästinensischen Bevölkerung geweckt, doch schon bald war nur zu deutlich, dass die israelischen Führer mit allen Mitteln den Friedensprozess verhindern wollten und neue Bedingungen stellten. Jedes Attentat war Grund genug, an die Palästinenser neue Forderungen zu stellen und die Zusagen nicht zu erfüllen.

Die Reaktionen der arabischen Staaten
Das hinderte viele arabischen Staaten aber keineswegs daran, diplomatische und Handelsbeziehungen mit Israel zu etablieren. So Jordanien 1994, Marokko, Tunesien usw [vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkes, aaO, S. 8].

Oslo II
Im September 1995 kam es zu einem Interimsakommen und Ende des Jahres zog Israel seine Truppen aus einigen Städten der Westbank zurück. 1996 fanden in den palästinensischen Gemeinden Präsidentschafts- und Legislativwahlen statt. Der weitere Zeitplan, demzufolge Israel seine Truppen nach und nach aus weiteren Gebieten zurückziehen und die auf fünf Jahre angesetzte Übergangsperiode im Mai 1999 zu Ende gehen sollte, wurde Schritt für Schritt verzögert, ob von Netanjahu oder von Barak [vgl. Informationen zur politischen Bildung, Nr. 278, aaO, S. 61]. Die Interessen der herrschenden Klasse in Israel waren nur zu offensichtlich: der Widerstand in Form der Intifada sollte gestoppt werden, das palästinensische Volk sollte aber nie das Recht auf einen eigenen Staat bekommen.

Oslo war Verrat
Die Oslo-Abkommen belegen den Verrat der palästinensischen Führer – allen voran Arafat – an den Interessen des palästinensischen Volkes. So führten sie zur Anerkennung des Staates Israel durch die PLO, ohne dass Israel sich im Gegenzug zur Anerkennung eines palästinensischen Staates verpflichtete. Außerdem beließen sie Israel für unbestimmte Zeit die Kontrolle über den größten Teil der besetzten Gebiete [vgl. Informationen zur politischen Bildung, Nr.278, aaO, S. 61].
Der Vertrag war ein Produkt von Geheimverhandlungen und wurde dem Zentralkomitee und den Mationalkongress nach der Unterzeichnung in Washington als gemachte Sache vorgelegt, was den Rücktritt der Hälfte des Zentralkomitees der PLO – teilweise Gründer der Fatah – zur Folge hatte[vgl. Intifada, Überblick über die Geschichte, aaO, S. 4].
Beim Oslo-Abkommen wurde jede Diskussion über Jerusalem verschoben und Israel setzte seine Politik der „Judaisierung“ der Stadt fort. Die Lösung des Siedlungsproblems wurde ebenfalls auf die Endstatusverhandlungen verschoben. Der israelische Imperialismus versprach dabei, den weiteren Bau einzustellen. Später behauptete die israelische Regierung, dies gelte nicht für Jerusalem und das Jordantal und der Siedlungsgürtel um die Stadt wurde verdichtet. Die Regierung Netanjahus setzte den Bau ungehindert fort; die Flächen der Siedlungen wurden fast verdoppelt. Die beim Abkommen vereinbarten „sicheren Strassen“ zu den Siedlungen führten zu weiteren Landeskonfikationen. Hunderte Hektar arabischer Ackerländer sind auf diese Weise verloren gegangen – mit der Zustimmung der PLO [vgl. Intifada, Überblick über die Geschichte, aaO, S. 4f.]! Die Oslo-Abkommen haben das Westjordanland und den Gaza-Streifen in ein „Gefängnis unter offenem Himmel“ verwandelt, und den Schlüssel zu diesem Gefängnis hat Arafat den Israelis übergeben. Denn die Abkommen von Oslo gaben den Israelis das Recht, die von den Palästinenserinnen und Palästinensern verwalteten Gebiete von jenen Gegenden des Westjordanlandes abzuriegeln, in denen Arafats Behörde nur die zivile Kontrolle hat und von jenen, die noch voll unter israelischer Besatzung stehen [vgl. Süddeutsche Zeitung, 27. 10. 2000].

Die Tunnelöffnung 1996
Bei den Wahlen zum Amt des israelischen Premierministers setzte sich am 29. Mai 1996 Benjamin Netanjahu gegen den Amtsinhaber Shimon Peres durch und bildete anschließend eine konservativ-rechtsextreme Koalitionsregierung [vgl. http://www.stu.uni-leipzig.de/~soz96jtv/depege/zeittaf1.htm]. Und die israelischen Provokationen hören nicht auf, seien sie von Extremisten oder dem Staatsapparat selbst initiiert. Die Öffnung des Tunnels unter dem Vorplatz der Moscheen am 24. September 1996 provozierte einen Aufstand der Palästinenserinnen und Palästinenser. 76 Menschen werden ermordet und hunderte verletzt [vgl. Der nationale Kampf des palästinensischen Volkes, aaO, S. 8].

Wye-Abkommen
Auch durch das Wye-Abkommen von 1998 zwischen Israel und die palästinensische Vertretung verzögerte der Premier die Ausführung der Abkommen durch immer neue Bedingungen [vgl. Intifada, Überblick über die Geschichte, aaO, S. 3].
Stets wurden von Arafat neue „Sicherheitsgarantien“ gefordert und Attentate halten dafür her, die Erfüllung der israelischen Verpflichtungen zu verzögern und letztlich zu verhindern.

Camp David 2000
Unter Schirmherrschaft des US-Imperialismus wurde im Juli 2000 in Camp David über den weiteren Friedensprozess verhandelt. Israel bleibt stur. Die ursprünglich für den 13. September 2000 vorgesehene Proklamation eines eigenen Staates Palästina wurde wieder einmal verschoben [vgl. http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/regionen/Palaestina/kurzinfo.html].

2. Intifada 2000
Ende September 2000 besuchte Ariel Sharon den Vorplatz der Moscheen in Jerusalem. Es war eine bewußte Provokation der Palästinenserinnen und Palästinenser. Sharon, der verantwortlich für die Massaker in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila war, betrat öffentlich das geheiligte Territorium des Islam. Schon am Vorabend seiner geplanten Visite, am 28. September 2000, versammelten sich die Palästinenserinnen und Palästinenser auf dem Vorplatz. Die Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer. Es gab dutzende Verletzte.
Dennoch: Ariel Sharon marschierte am 29. September auf dem Vorplatz der Moscheen auf. Er war umkreist von 1000 Polizisten und Soldaten, denn er wußte, was er tut. Die israelische Armee eröffnete das Feuer und ermordete 7 Menschen, 200 wurden verletzt [vgl. Palestine, Le peuble réclame ses droits, Solidarité International, Nr. 158, 2000, S. 6].
Das Blutbad hatte das Faß zum Überlaufen gebracht. Die Farce, die unter dem Namen „Friedensprozeß“ durch die westliche Medien- und Politiklandschaft geisterte, wurde nun endlich vom palästinensischen Volk als abgesetzt erklärt.
Einen Tag nach der bewußten Provokation Ariel Sharons versammelten sich die palästinensischen Massen am Haram al Sharif, um ihre Wut auf die imperialistische Besatzung und der daraus resultierenden Erniedrigung in Widerstand umzuwandeln.
Der Widerstand breitete sich aus, erfaßte alle Palästinenserinnen und Palästinenser und wurde zur neuen Intifada, die unter dem Namen „Al Aqsa Intifada“ bekannt ist [vgl. Julien Versteegh, Léa Mathy, in: Palestine, aaO, S. 4].
Die Intifada dauert seitdem an, das Volk will nicht aufhören zu kämpfen, bis es sein Recht auf Selbstbestimmung, sein Recht auf einen eigenen palästinensischen Staat verwirklicht hat.

Israelische Repression
Die Brutalität des israelischen Staates versucht seitdem mit allen Mitteln, den Widerstand des palästinensischen Staates zu zerstören. Mit Panzern, Raketen und hochmodernen Apache Kampfhubschraubern werden arabische Städte terrorisiert. Beliebtes Ziel der imperialistischen Aggression sind auch die in den letzten Jahren mühsam aufgebauten industriellen Zentren in der West Bank und im Gazastreifen. Gerade Betriebe, die die Palästinenserinnen und Palästinenser von der israelischen Wirtschaft unabhängig machen sollten, wie Elektrizitätswerke, Petrochemie Fabriken usw. werden systematisch zerstört.
Durch die totale Abriegelung der palästinensischen Gebieten voneinander und der Außenwelt kommt es zu massiven Versorgungsengpässen.
Die schon vorher äußerst hohe Arbeitslosigkeit von 45% hat sich ins unerträgliche gesteigert.
Sondereinheiten der israelischen Armee (sogenannte Todesschwadronen) verfügen über spezielle Todeslisten vom Geheimdienst. Auf diesen Listen befinden sich Namen von politischen Aktivistinnen und Aktivisten des Befreiungskampfes.
Diese werden liquidiert und sogenannte Kolateralschäden, also Ermordungen von Menschen, werden dabei einkalkuliert [vgl. Proletarische Rundschau, März 2001, S. 18ff.].
Die Brutalität der israelischen Armee könnte Bände füllen. Und immer wieder, wenn die Weltöffentlichkeit nicht ganz aufmerksam ist, zeigt sich das Besatzerregime besonders brutal, wie am 12. September 2001 [vgl. Intifada, Nr. 6, September 2001, S. 19] oder während des 3. Golfkriegs, als die amerikanische Friedensaktivistin Rachel Corrie am 16. März 2003 absichtlich vom Bulldozer überfahren wurde. Jeder wird sich noch an die Ermordung des 12jährigen Mohammed El Doura, am 9. Oktober 2000 erinnern, dessen Photos um die Welt gingen [vgl. Palestine, aaO, S. 6]. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass in einem in der israelischen Tageszeitung Haaretz abgedruckten Interview ein Soldat bereitwillig zugibt, dass jede/r erschossen werden darf, der/die älter als 12 Jahre aussieht. Hin und wieder würden auch Schützen Wetten auf die zu treffenden Ziele abschließen [vgl. Proletarische Rundschau, aaO, S. 18].

Road Map
Im Juni 2002 ließ Ariel Sharon verkünden, den Siedlungsbau fortzusetzen, ohne dass darüber in aller Öffentlichkeit jubeliert werden müsse [vgl. http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/regionen/Nahost/bernstein7/html].
Trotz klarer Aussagen hat sich nun ein neues „Friedens“-Quartett aus US-Imperialismus, den verschiedenen Imperialisten europäischer Staaten, Russland, sowie dem UN-Generalsekretär gegründet, um einen „Fahrplan des Friedens“, die „Road Map“ zu erarbeiten. Nach diesem soll der Nahost-Konflikt bis 2005 gelöst sein – durch drei Phasen des „Wegeplans“ (Phase I bis 2003, Phase II: Juni 2003 bis Dezember 2003, Phase III: 2004 bis 2005) [vgl. ebenda].
Die verschiedenen imperialistischen Mächte Westeuropas sehen in der „Road Map“ das „Ende der Perspektivlosigkeit“. Auf die Situation der Palästinenserinnen und Palästinenser kann sich dieser Optimismus sicherlich nicht beziehen. Denn alle Kernfragen, nämlich die Klärung der Themen „Grenzen“, „Jerusalem“, „Flüchtlinge“ und „Siedlungen“, soll erst in der dritten Phase stattfinden.
Viel mehr bezieht sich der Optimismus auf das Erstarken der europäischen, speziell des deutschen Imperialismus, der mit der „Road Map“ mit einbezogen wurde. Joschka Fischer und Javier Solana drohten sogleich, der alte Kontinent wolle und müsse ein wichtiger Akteur in der Region werden [vgl. ebenda].
Die Liste der Mängel, der Mangel namens „Road Map“ insgesamt, ist ohne Ende. Wenn festgelegt wird, dass illegale Siedlungen abgebaut werden sollen, stellt sich die Frage, wer definiert, was illegale Siedlungen sind? Sharon benutzt das Wort „unauthorized“, doch in Wirklichkeit sind alle Siedlungen illegal!
Die Herrschenden lassen keinen Zweifel, dass sie an eine Lösung der Palästinafrage kein Interesse haben. Ariel Sharon sagte klar und deutlich, daß ein Rückzug aus allen Teilen der Westbank nicht in Frage komme, von der Aufgabe Ost-Jerusalems ganz zu schweigen. Fest steht, dass sich ein künftiger Staat Palästina nach der „Road Map“ mit einer Grenzziehung zufrieden stellen müsste, die noch weit hinter den spärlichen Angeboten von Ehud Barak zurückbleiben [vgl. ebenda].
Auch bei der „Road Map“ sollen sich die Palästinenser die Bedingungen diktieren lassen, während Israel stur bleibt. Während die Palästinenser schon in der ersten Phase auf Widerstand gegen die israelischen Besatzer verzichten sollen, wird kein Wort über den Aufbau des palästinensischen Staates verloren. Dagegen soll Israel erst in der dritten Phase einem unabhängigen Staat zustimmen, und das auch noch mit vorläufigen Grenzen [vgl. ebenda]!
Bei Vertragsverletzungen sieht die „Road Map“ keine nachdrücklichen Sanktionsmechanismus vor. Dass die rund eine Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft mit keinem Wort erwähnt werden, scheint da kaum noch zu verwundern.
Das Ziel von der „Road Map“ ist nicht die Durchsetzung des Rechts der Palästinenser auf einen eigenen Staat. Die „Road Map“ zeigt vielmehr eine Veränderung der Kräfteverhältnisse zwischen den Imperialisten. Es geht auch um die Beziehungen zu den arabischen Staaten, die für die Westmächte aufgrund ihrer Ölvorkommen sehr wichtig sind.
Während also die Uhr der „Road Map“ tickt, werden der Ausbau von Siedlungen und die Liquidierung von Palästinenserinnen und Palästinensern unbeirrt fortgesetzt. Sogar die spärlichen Zusagen, wie die Freilassung politischer Gefangener, werden systematisch verschleppt und verhindert [vgl. Frankfurter Rundschau, 6.8.03]. Die Brutalität der israelischen Imperialisten nimmt kein Ende und immer neue „Sicherheitsgarantien“ werden von Seiten der Palästinenser gefordert, um die Ursache des Scheiterns der Friedensverhandlungen zu vertuschen.
Dass Kofi Annan die Entsendung einer „internationalen Schutztruppe“ [vgl. http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/regionen/Nahost/bernstein7/html], den Einmarsch imperialistischer UNO-Truppen fordert, belegt nur einmal mehr, dass es nicht um das Selbstbestimmungsrecht des palästinensischen Volkes, sondern um die Interessen der Imperialisten geht.

Der Mauerbau
Seit Juni 2002 wird vom israelischen Staat eine riesige Mauer gebaut, die zurecht von Menschenrechts- (wie B’tselem) und Friedensorganisationen (wie Gush-Shalom, Ta’ayush, ISM) als Apartheidsmauer bezeichnet wird [vgl. http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/regionen/Nahost/mauer-haydt.html]. Im imperialistischen Jargon von Israel, den europäischen imperialistischen Mächten und dem US-Imperialismus wird die Bastion zynisch als „Sicherheitszaun“ bezeichnet [vgl. ebenda].
Die High-Tech-Befestigungsanlage kostet ca. 1 Millionen Dollar je Kilometer. Würde ihr Verlauf ungefähr der Waffenstillstandslinie von 1967 folgen, dann wäre die Mauer insgesamt 350 km lang. Doch da sie sich in wilden Kurven quer durch die West Bank schlängelt, um möglichst viele Siedlungen und viel Land zu annektieren, wird die Mauer wahrscheinlich bis zu 1000 km lang werden. [vgl. ebenda] Dadurch belaufen sich die geschätzten Kosten auf ca. zwei Milliarden Dollar [vgl. http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/regionen/Nahost/mauer-appell.html].
Die Anlage ist zwischen 60 und 150 Meter breit und ist mit modernster Überwachungstechnik, einem Graben mit vier Metern Tiefe, einer acht Meter hohen Betonmauer, einer Panzerstrasse und alle 200 Meter Überwachungstürme ausgestattet [vgl. http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/regionen/Nahost/mauer-haydt.html]. Bislang ist sie in der Mitte der besetzten Gebiete der West Bank gebaut, die Pläne gehen aber dahin, sie zudem entlang des Jordan zu errichten [vgl. http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/regionen/Nahost/mauer-appell.html].
Das System ist wie beim Konzept der Vertreibung offensichtlich. Es geht darum, Fakten zu schaffen. Die Mauer soll das Ausmaß eines zukünftigen „palästinensischen Staates“ festlegen. Dieser wird wahrscheinlich ca. 45% der West Bank umfassen und aus einem Fleckenteppich aus Landstücken und Enklaven bestehen, ohne Zugang zueinander, ohne Ost-Jerusalem und ohne jegliche Chance auf eine politisch und ökonomisch selbstbestimmte Zukunft [vgl. http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/regionen/Nahost/mauer-haydt.html]. Und das wird nur der Anfang sein.
Neben der eigentlichen „westlichen“ Mauer entstehen auch im Osten von palästinensischen Dörfern und Städten wie zum Beispiel in Qalqilia oder Tulkarem sogenannte sekundäre Barrieren. Dadurch entstehen Enklaven östlich der Mauer.
Die Folgen sind verheerend:
- Allein durch den Bau des 1. Abschnitts der Anlage wurden ca. 3500 Hektar Land enteignet und dem Erdboden gleich gemacht.
- In dem Gebiet zwischen Tulkarem, Jenin und Qalqilia werden mindestens 30 Quellen, 47 Brunnen und der Zugriff auf einen bedeutenden Teil des Grundwassers im westlichen Aquifer verloren gehen [vgl. ebenda].
- Die Palästinenserinnen und Palästinenser in den besetzten Gebieten werden faktisch zu Gefangenen ihres eigenen Landes gemacht bzw. die ohnehin schon bestehende Gefangenschaft (durch Ausgangssperren etc.) wird massiv und unwiederbringlich verschärft.
- Dies führt zu einem starken Abwanderungsdruck. Allein in der Kasbah von Hebron haben 42% der Bewohnerinnen und Bewohner aufgrund der ständigen Repression sowie Übergriffen der Siedler ihre Heimat „freiwillig“ verlassen [vgl. B’tselem 8/2003].
- Nach Schätzungen werden ca. 90-210.000 Palästinenserinnen und Palästinenser aus ihrer Heimat vertrieben, vergleichbar mit den Massenvertreibungen von 48 und 67 [vgl. http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/regionen/Nahost/mauer-appell.html].
- Das Familieneinkommen in der Stadt Qalqilia ist von 1000 Dollar im Monat auf beinahe 60 Dollar gesunken [vgl. Palestine Monitor 7/2003].

Von internationalem Druck der Imperialisten keine Spur. Die Imperialisten der EU äußerten sich so zaghaft, dass daraus keine Schlagzeilen und erst recht kein politischer Druck entsteht. Bush erklärte: „Der Zaun (!) ist ein Problem“ [vgl. http://www.uni-kassel.de/fb10/regionen/Nahost/mauer-haydt.html]. Condoleeza Rice beteuerte aber, dass der „Zaun“ die Kreditbürgschaft nicht beeinträchtigen werde [vgl. Ha’aretz 6.8.03].

In Zusammenarbeit mit israelischen und internationalen Organisationen werden Proteste gegen die Mauer organisiert. Gegen diese läßt Israel seine Repressionskäule walten. Selbst Ausländerinnen und Ausländer sind davon betroffen [vgl. Frankfurter Rundschau, 29.7.03]. Für Palästinenserinnen und Palästinenser ist dies ohnehin Alltag.

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