Liebe Genossinnen und Genossen, Leserinnen und Leser! Als die deutschen Kommunistinnen und Kommunisten in den 20er Jahren an der Basis die sexuelle Frage diskutierten, kritisierte Genosse Lenin sie. Wir teilen diese Kritik, denn vielfach war die Diskussion flaches Geschwätz. Außerdem ist die Frage berechtigt, ob die deutschen KommunistInnen Ende der 20er Jahre Zeit für diese Thematik hatten. Statt diese Kritik jedoch produktiv umzusetzen, hüllt sich die kommunistische Bewegung seit jener Zeit bezüglich der sexuellen Frage in Schweigen. Dabei ist die Frage der sexuellen Befreiung ein wesentlicher Bestandteil der Frage der Befreiung der Frau, die wiederum notwendig für unsere soziale Befreiung ist. Schlimmer noch, die kommunistische Bewegung verficht zum Teil die bürgerliche Sexualmoral und befürwortet damit die uns vorgegebene Doppelmoral. In dieser Broschüre wollen wir mit der bürgerlichen Sexualmoral brechen. Und der erste Schritt ist hierfür die Kritik. Die Broschüre umfaßt zwei Aufsätze. Der erste „die sexuelle Kampffront eröffnen“ beschäftigt sich mit unserer Haltung zu den Grundpfeilern der bürgerlichen Familienordnung, der erzwungenen Monogamie. Er beschreibt einzelne Erscheinungsformen der bürgerlichen Sexualmoral und unsere Haltung hierzu. Wir sind der Meinung, dass auch das Private politisch ist. Insofern müssen wir auch anfangen, unser persönliches Leben im Hinblick auf unser sexuelles Leben kritisch zu hinterfragen und kommunistisch zu ändern. Im zweiten Aufsatz setzen wir uns mit den reaktionären Anschauungen der Gruppe Neue Einheit zur Homosexualität auseinander. Die Gruppe vertritt sicherlich besonders krasse Meinungen, die nicht repräsentativ für die kommunistische Bewegung sind. Dennoch zeigt sich hieran, warum wir Kommunistinnen und Kommunisten in der sexuellen Bewegung einen so schlechten Ruf haben. Auch die Tatsache, dass auf die diskriminierenden Pamphlete der Gruppe Neue Einheit nicht wesentlich reagiert wurde, zeigt, dass die sexuelle Frage unter uns Marxisten-LeninistInnen nicht hinreichend beziehungsweise falsch behandelt wird. Wir hoffen, durch diese Broschüre eine Diskussion anregen zu können. Für die sexuelle Befreiung! Die
sexuelle Kampffront eröffnen! Wer hätte das gedacht, die Kommunisten reden über die sexuelle Frage. In der Bewegung eher für Spießbürgertum und Wertkonservativismus bekannt, wagen wir es nun, zum Kampf für unsere sexuelle Befreiung aufzurufen. Damit wollen wir auch allen denjenigen revisionistischen Kräften innerhalb der kommunistischen Bewegung eine Absage erteilen, die die bürgerliche Sexualmoral im Namen der Befreiung der Menschheit für sich beanspruchen. Die Entfremdung des Menschen vom Menschen hat viele Gesichter. Nur zu bekannt ist die Entfremdung durch die kapitalistische Ausbeutung, durch die Arbeit in dieser Gesellschaftsordnung. Eine Seite dieser Ausbeutung ist aber auch die gnadenlose Unterwerfung sexueller Bedürfnisse unter die Interessen kapitalistischer Profitmaximierung. Sicherlich, die Unterdrückung der Sexualität hat ihren Beginn weit früher. Nämlich in der Entstehung der Monogamie beim Übergang von der klassenlosen zur Klassengesellschaft. Wir wollen uns aber heute und hier auf die bürgerliche Sexualmoral beschränken und unsere Haltung zu einzelnen Erscheinungen darstellen. Unsere Haltung zur Moral „Die Ideen der Gewissens- und Religionsfreiheit sprachen nur
die Herrschaft der freien Konkurrenz auf dem Gebiete des Wissens aus.
„Aber“, wird man sagen, „religiöse, moralische,
philosophische, politische, rechtliche Ideen usw. modifizieren sich
allerdings im Lauf der geschichtlichen Entwicklung. Die Religion, die
Moral, die Philosophie, die Politik, das Recht erhielten sich stets
in diesem Wechsel. Im Sozialismus, der Diktatur des Proletariats als Übergangsgesellschaft, ist eine sozialistische Moral natürlich nicht ausgeschlossen. Die bürgerliche Sexualmoral ist eine unserer härtesten
Gegner „Wir sind in Familien aufgewachsen und sind im kapitalistischen
System aufgezogen worden. Man wird nun einwenden, es sei ein großer
Unterschied, zwischen proletarischen und bürgerlichen Familien.
So einfach liegt die Sache nicht. Wir müssen erst fragen, in welcher
Hinsicht die proletarischen Familie proletarisch und in welcher sie
gut bürgerlich ist. Wir brauchen nicht lange nachzudenken, um die
Antwort herauszubekommen; es genügt, wenn wir die einzelnen Elemente
der Lebens- und Denkweise gesondert betrachten. Haben wir uns von der
bürgerlichen Eigentumsideologie freigemacht? Ja, weitgehend, weil
in den Besitzverhältnissen ein scharfer Unterschied ist zwischen
Bürger- und Arbeiterfamilien. Haben wir uns von der Religion ganz
freigemacht? Es gibt tausende proletarischer Familien, die religiös
sind, und je weiter wir in das kleinbürgerliche Proletariat vordringen,
desto tiefer sitzt die Religion. Und wie ist es mit der Sexualmoral?
Ist sie nicht in der Eigenheit der Familie selbst verwurzelt, die auch
der Proletarier infolge der Lebensverhältnisse in der kapitalistischen
Gesellschaft zu gründen gezwungen ist? Gehört nicht die sexuelle
Unterdrückung und die Einpflanzung der bürgerlichen Sexualmoral
wie wir das ja schon früher begründet haben, zum Bestand der
bürgerlichen Ehe und Familie? Gewiß, die Widersprüche
zwischen der Lebensweise des Arbeiters und der bürgerlichen Familienmoral,
der er unterworfen ist, sind sehr groß; es sind Widersprüche,
die in der mittleren und höheren Bourgeoisie fehlen; aber diese
bürgerliche Sexualmoral ist doch im Proletariat vorhanden; sie
ist von allen bürgerlichen Ideologien am tiefsten verankert, weil
sie von frühester Kindheit an am stärksten eingepflanzt wurde.
Sie ist eine der mächtigsten ideologischen Stützen des Bürgertums
innerhalb der unterdrückten Klasse. Wir sehen es täglich und
stündlich, daß sich auch die klassenbewußten Jugendlichen
von ihr am allerschwersten freimachen können. Die bürgerliche
Sexualmoral, deren wesentlichstes Stück ist, das Sexualleben nicht
natürlich, selbstverständlich, im klaren Zusammenhang mit
der jeweiligen Gesellschaftsordnung zu sehen, es zu verneinen, Scheu
und Angst davor zu haben, steckt uns Kommunisten viel tiefer in den
Knochen als wir alle glauben.“ Aufgrund der Verankerung der bürgerlichen Sexualmoral ist erklärlich, dass bis heute in der kommunistischen Bewegung Positionen Bestand haben können, die ganz im Widerspruch zu unserer sonstigen zukunftsgewandten Einstellung stehen. So gibt es die Position, die Ehe zwischen Revolutionären sei eine revolutionäre Ehe; oder die Monogamie sei legitim, wenn sie beiderseits gelebt wird und das sogenannte Fremdgehen sei Ausdruck der Unterdrückung der Frau; die „wahre Liebe“ (im Sinne von einer/m PartnerIn, die man nur finden müsse) wäre etwas, was wir für alle Menschen anstreben; oder auch die Position, dass die Liebe fester Bestandteil der Sexualität sein müsse bis hin zu der Einstellung, Homosexualität sei pathologisch usw. usf. Wie sieht Sexualität im Kommunismus aus? „Aber ihr Kommunisten wollt die Weibergemeinschaft einführen,
schreit uns die ganze Bourgeoisie im Chor entgegen. Dem können wir nur noch hinzufügen, dass wir selbstverständlich nicht nur die Frauen-, sondern auch die Männergemeinschaft einführen wollen. Einen letzten Punkt (und dies ist nur die Reihenfolge, nicht die Priorität) wollen wir der homo-, trans- und bisexuellen Frage widmen. Es versteht sich von selbst, dass die menschlichen Bedürfnisse im Kommunismus ausgelebt werden können. Es ist auch zu vermuten, dass die Geschlechtlichkeit weit phantasiereicher ablaufen wird als wir das heute denken. Denn dass Streß und Sorgen lusthemmend sind, wird wohl jede/r bestätigen. Das gilt auch für die Offenheit im bürgerlichen Sinne außerkonventioneller Sexualität. Seit es Überlieferungen menschlicher Sexualität gibt, weiß man von den homo- und bisexuellen Bedürfnissen der Menschen. Es ist zu vermuten, dass eine Kategorisierung im Kommunismus nicht mehr im Vordergrund stehen wird. Denn das Individuum steht im Mittelpunkt gesellschaftlichen Interesses. Ob der Mensch Frau, Mann, homo-, bi-, trans- oder heterosexuelle Bedürfnisse hat, wird das Ermessen seiner eigenen Bedürfniswelt unterliegen.
Es ist aber unbestreitbar, dass ein befriedigendes Leben ohne Sexualität
undenkbar ist. Es ist nachgewiesen, dass befriedigende Sexualität
das Immunsystem steigert, dass sogar das Herzinfarktrisiko verringert
wird. Wir befürworten die Sexualität. Wir kämpfen für
eine Gesellschaftsordnung, in der jeder nach seinen Bedürfnissen
leben kann. Denn der Kommunismus ist eine lustbejahende Weltanschauung.
„Der Kommunismus soll nicht Askese bringen, sondern Lebensfreude,
Lebenskraft, auch durch erfülltes Liebesleben.“ Zur Sexuellen Sprache Ein weiterer Ausdruck der unterdrückten Sexualität sind die Begrifflichkeiten, die wir sprachlich zur Verfügung haben. Denn auch die Sprache ist natürlich Ausdruck der gesellschaftlichen Verhältnisse und spiegelt sie wieder. „Die Sprache ist so alt wie das Bewußtsein – die
Sprache ist das praktische, auch für andre Menschen existierende,
also auch für mich selbst erst existierende Bewußtsein (...)
Das Bewußtsein ist also von vornherein schon ein gesellschaftliches
Produkt und bleibt es, solange überhaupt Menschen existieren.“ Konsequenterweise muss sich die Sprache auch im Wandel der Zeit verändern, quasi modernisieren. Sie bleibt aber als Überbau immer Ausdruck der sie repräsentierten gesellschaftlichen Verhältnisse. Wenn also angeführt wird, wir würden zumindest in den hochindustrialisierten
Ländern wie Deutschland eine befreite Sexualität haben, bleibt
doch die Frage offen, warum es für alles Geschlechtliche entweder
vulgäre oder medizinische Begriffe gibt. Offen bleibt natürlich
hierbei die Frage, inwieweit die bürgerliche Moral Begriffe als
vulgär bloß stigmatisiert. Dabei sind wir auch der Meinung,
dass Wörter wie vulgär oder pervers grundsätzlich zu
kritisieren sind. Denn wer legt fest, dass etwas verkehrt ist? Dies
ist doch immer eine Frage der Sicht des Betrachters. Sexualität und Arbeit So einfach die Erklärung scheint, wurde natürlich ein ganzer Ideologieapparat entstanden, um die Enthaltsamkeit herrschaftsfähig zu machen. Besonders die Reformation hat neue Gedankengerüste geschaffen, in der aller „Prasserei“ eine Absage erteilt wurde. Bis heute finden sich viele Mediziner und Ernährungswissenschaftler, die die Beschränkung der Bedürfnisse (egal ob es um Essen, Trinken, Sex oder Schlafen geht) als Fortschritt verkaufen. Die Sexualität der Kinder Als Ausfluß der schwarzen Pädagogik gilt der Erziehungsauftrag als Programm, um die Menschen systemkonform zu machen. Die Problematisierung der Sexualität der Kinder setzt Michel Foucault
[Der Wille zum Wissen, Sexualität und Wahrheit 1, suhrkamp taschenbuch,
1977] im 17. Jahrhundert an. Mit der bürgerlichen Revolution erlangte der Erziehungsauftrag mit seiner schwarzen Pädagogik seinen offenkundigsten Höhepunkt. Dabei spielt auch die bürgerliche Familienordnung eine zentrale Ordnung. Sie institutionalisiert nämlich die Autorität der Eltern gegenüber den Kindern. Dies ist oft eine Willkürherrschaft, die die Unterordnung und Fremdbestimmung anerzieht. Diese Gewalt der Eltern wird am Stärksten über das Sexualleben der Kinder ausgedrückt. Mit den aufklärerischen und später bürgerlichen Wissenschaften wie Medizin, Pädagogik, Psychologie wurde herausgearbeitet, dass die Kinder nicht bei ihren Eltern schlafen sollen, und schon gar keine Ausübung der Sexualität mitbekommen sollen. Vielfältige Märchen über legitimieren die Unterdrückung der kindlichen Sexualität. In keiner Institution der bürgerlichen Gesellschaft tritt die autoritäre Unterjochung der Jugend so stark hervor, in keiner Institution beginnt diese Unterjochung so früh auf den kindlichen körperlichen und psychischen Organismus zu wirken wie gerade im Elternhaus. Die sexuelle Einschüchterung und Verkrüppelung erzeugt autoritäre Angst in den Kindern wegen ihrer sexuellen Wünsche, Gedanken und Taten. Dies macht den Kern des Apparats aus, mit dessen Hilfe das Elternhaus die Jugend dem Kapital gefügig macht. Unsere Haltung zur Prostitution Prostitution ist die Ergänzung der erzwungenen Monogamie und ihrer bürgerlichen Familienorganisation. Sie ist das institutionalisierte Mittel für die Männer, die es sich leisten können, ihre Bedürfnisse zumindest ansatzweise oder scheinbar zu befriedigen. Für Männer hat die erzwungene Monogamie nie wirklich existiert. Für sie ist das Konstrukt auch nicht entstanden. Mit der Entwicklung der Produktivkräfte und daher auch mit dem gestiegenen Lebensstandard auch der Arbeiterklasse ist die Prostitution in einem unermeßlichen Umfang gestiegen. Das Bedürfnis ist auch gestiegen, da die Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse die Familien zerrüttet, den Streß steigert und die Prostitution dann bei vorhanden materiellen Möglichkeiten eine Möglichkeit bietet, seine Bedürfnisse ansatzweise zu befriedigen. Um ein Beispiel zu nennen: Nach einer Internetumfrage geben 34% an,
11-50 Mal Sex gekauft zu haben, 14% sogar 101-500 Mal, 93% haben sich
schon mehrmals Sex gekauft und 2% sogar mehr als 500 Mal Wie stehen wir Kommunisten zur Prostitution? Es ist ein Thema, das weitgehend ausgespart wird. Wir sind der Meinung, es ist die natürliche Kehrseite der erzwungenen Monogamie. Auch in der kommunistischen Bewegung wird nicht selten die Doppelmoral gelebt, wird Prostitution MORALISCH abgelehnt. Natürlich, wir Kommunistinnen und Kommunisten lehnen die Prostitution ab, weil wir die Ausbeutung der Menschen durch den Menschen ablehnen. Für uns ist die Prostitution qualitativ nichts anderes als andere kapitalistische Ausbeutung durch Lohnarbeit. Aber genauso lehnen wie die erzwungene Monogamie ab, die durch die bürgerliche Ehe institutionalisiert ist. Aber den Männern moralisch vorzuwerfen, ihre Sexualität durch die vorgegebenen Formen auszuleben, das tun wir nicht. Das ist die gelebte Doppelmoral, die durch die herrschende Moral propagiert wird. Die Prostitution ist eine notwendige Institution im Kapitalismus. Durch die bürgerliche Familienordnung sind die Menschen gezwungen, ihre Sexualität und intimsten Bedürfnisse den moralischen Vorstellungen der Herrschenden zu unterwerfen. Die Männer können zum Teil diese Tabuisierung und Hemmung ihrer sexuellen Bedürfnisse durch Ventile wie die Prostitution zumindest scheinbar entkommen. Davon strikt zu trennen ist selbstverständlich der Frauenhandel. Hier besteht eindeutig ein qualitativer Unterschied zur kapitalistischen Lohnarbeit. Der Frauenhandel ist die Sklaverei. Ebenso zu bewerten ist die Prostitution zu Hungerlöhnen, in denen die Frauen ihren Zuhältern quasi Eigentum sind.
Das heißt natürlich für uns nicht, dass wir die bürgerliche Sexualmoral für uns theoretisch wie praktisch akzeptieren. Das heißt auch nicht, dass wir die sexuelle Befreiung auf den Tag nach der Revolution verschieben. Und das heißt auch nicht, dass wir nicht versuchen, den Rahmen der Emanzipation, den uns die bürgerliche Gesellschaftsordnung bietet, bis zum Letzten versuchen auszureizen. Wir wären nicht Kommunistinnen und Kommunisten, wenn wir nicht den Anspruch hätten, unsere Weltanschauung auch in unserem Verhalten umzusetzen. Die Erkenntnis, dass die sexuelle Befreiung an materielle Grundvoraussetzungen geknüpft ist, heißt für uns aber, dass idealistische Projekte sexuell befreiter Kommunen im Kapitalismus für uns keine Lösung sind. Projekte wie die Kommune 1, 2 etc. müssen im Kapitalismus Utopie bleiben und sind als Illusion schon von vornherein zum Scheitern verurteilt. Diese Projekte kamen in Folge der 68er Bewegung und der sogenannten sexuellen Revolution in Westdeutschland auf. In diesen Wohngemeinschaften sollte die freie Sexualität praktiziert werden. Oftmals stellte sich dies nur als Freibrief für die Männer heraus. Wir wissen, dass wir im Kapitalismus nicht zum befreiten Menschen mutieren können. Aber ebenso wie wir mit unserer Solidarität mit Kolleginnen und Kollegen die bürgerliche Arbeitsmoral erschüttern können, sind wir in der Lage, kleine Schritte hin zu unserer sexuellen Befreiung zu gehen und damit Grundlage der institutionalisierten Macht über unsere Bedürfnisse den Boden entziehen. Die bürgerliche Sexualmoral ist die wesentliche Stütze der Unterdrückung der Frau in dieser Gesellschaftsordnung. Der Kampf für die sexuelle Befreiung ist damit ein wichtiger Bestandteil im Kampf um die Befreiung der Frau und diese ist wiederum eine wichtige und notwendige Voraussetzung für den erfolgreichen Kampf für den Sozialismus. "Die Emanzipation der Frau verlangt als erste Bedingung die Wiedereingliederung
des ganzen weiblichen Geschlechts in die gesellschaftliche Industrie,
was gleichzeitig erfordert, daß die individuelle Familie als wirtschaftliche
Einheit der Gesellschaft aufgehoben wird." Die Monogamie und die Frauen Der unterdrückende Umgang mit der Sexualität vor allem der Frauen wirkt natürlich auf das Bewußtsein, sowie das Selbstbewußtsein der Frauen. Labilität und Krankheiten finden eine ihrer Ursachen darin. Doch ist die Aufrechterhaltung der auferzwungenen Monogamie und die bürgerliche Familienordnung gerade von dem Verhalten der Frauen mit ihrer Sexualität abhängig, wodurch weiterhin die Propagandamaschinerie zur Aufrechterhaltung des bürgerlichen Frauenbildes läuft. Nur zu oft hört man, dass die sexuellen Bedürfnisse der Frauen geringer sein, als die der Männer. Wem nützt das? Das dient einzig und allein der Legitimation bürgerlicher Sexualmoral. Von daher ist der Marxismus vollkommen gegen die These der "menschlichen
Natur" als ewige, unveränderbare Wirklichkeit unabhängig
von den sozialen Bedingungen, denn diese entspricht der idealistischen
und metaphysischen Position der Reaktion. Für den Marxismus ist die Frau ebenso wie der Mann das Produkt ihrer sozialen Beziehungen, die durch die Geschichte bestimmt werden und die sich gemäß des Wandels der Gesellschaft in ihrem Entwicklungsprozeß verändern. Die Frau ist also ein soziales Produkt und ihre Veränderung verlangt die Veränderung der Gesellschaft. Die Unterdrückung grundlegender menschlicher Bedürfnisse führt zu Anomalien. Wie bei Menschen, die hungern, Kannibalismus auftreten kann, sind die sexuellen Gewalt in der bürgerlichen Sexualmoral begründet. Nun wollen wir uns einigen konkreten Fragen widmen. Unsere grundsätzliche Ablehnung der bürgerlichen Sexualmoral zum Ausdruck gebracht, ist doch die Frage, wie wir uns heute hier im Kapitalismus als Kommunistinnen und Kommunisten zu verhalten haben. Am Anfang von allem steht die Erkenntnis, dass wir in der bürgerlichen Sexualmoral gefangen sind. Wir müssen sie erkennen und kritisieren. Die Unterscheidung zwischen bürgerlicher und proletarischer Familienordnung greift hier zu kurz. Denn die Moral der Herrschenden ist auch bei uns noch die herrschende Moral. NOCH. Unsere Haltung zu klassischen 2er Beziehungen Unsere Haltung zur Ehe Es kann nicht angehen, dass Kommunisten am abend unter der Bettdecke keine mehr sind. Es kann nicht angehen, dass sich Kommunisten zu Hause von ihrer Frau bekochen lassen und den Haushalt machen lassen. Kommunist sein, heißt eine bestimmte zukunftsgewandte Lebenseinstellung zu haben und diese auch zu praktizieren. Dürfen KommunistInnen eine Familie gründen? In der KPD/ML in den 70er Jahren wurde zum Beispiel die Kinderbehütung von der Organisation übernommen, damit möglichst viele GenossInnen an politischen Aktionen teilnehmen können. Das setzt natürlich einen gewissen Grad der Bewegung voraus, den wir derzeit noch nicht haben. Fakt ist aber, dass Kinder von GenossInnen auch der Verantwortung der Organisation unterliegen. Wir kümmern uns ja auch um GenossInnen, die in finanziellen, psychologischen oder sogenannt persönlichen Problemen stecken. Das Private ist politisch. Unsere Haltung zur Rolle des Sexes Unsere Haltung zu Inzest Unsere Haltung zu Polygamie und Polyamie Wir machen auch nicht die Aussage, dass alle Menschen polygam oder polyam leben werden. Es wird an ihnen sein, dies festzulegen. So händeln wir das auch heute. Wir Kommunistinnen und Kommunisten sind keine bürgerlichen Sexualprediger. Solange alle beteiligten Menschen freiwillig teilnehmen, ist es an ihnen, ihre Sexualität in der für sie bevorzugten Form auszuleben. Wir sehen natürlich das Problem, das moralisch konstruierte Bedürfnisse oder auch ihre Ausflüsse, die Perversionen, scheinbare Bedürfnisse sein können. Da sind wir aber nicht in der Lage, Maßregeln festzulegen. Die Bedürfnisse, die ausgelebt werden wollen, sollen es auch. Unsere Haltung zur Homosexualität Gerade die lesbische Bewegung muss für uns besonderes Augenmerk finden, denn ganz im Sinne der Unterdrückung der Frau hat die lesbische Bewegung weit weniger soziale, rechtliche, und finanzielle Freiräume erkämpft als die schwule Bewegung.
Unsere Haltung zur Eifersucht Unsere Haltung zum „fremdgehen“
Mit gleicher Kritik müssen wir jedoch dagegen vorgehen, wenn reaktionäre Filme im nicht-sexuellen Bereich geguckt werden (z.B. Kriegsfilme). Da besteht für unskein Unterschied. Wir sind als Kommunisten die Sexualität Befürwortende und nicht verklemmt. Unsere Haltung zu Beziehungen mit großen Altersunterschieden Unsere Forderung: Für die Politisierung der sexuellen
Frage! Wir müssen die Tabuisierung der Sexualität überwinden. D.h. auch, dass auf unseren politischen Treffen ein Klima herrschen muss, wo über Fragen dieser Art diskutiert werden kann. Dabei wollen wir nicht in das bürgerliche Geschwätz über Sexualität einsteigen. Wir müssen diese Diskussionen politisch führen. Insofern hatte Lenin auch in dem bekannten Gespräch mit Clara Zetkin recht, als er die verflachten Diskussionen der deutschen Kommunistinnen und Kommunisten über Sexualität kritisierte. Die sexuelle Kampffront wird viele Kräfte freisetzen Natürlich ist die sexuelle Frage nur ein Bereich unseres Kampfes für den Sozialismus. Aber wir dürfen nicht vergessen, das die Frage der Befreiung der Frau unmittelbar an die sexuelle Frage geknüpft ist und diese eine unserer wichtigsten Aufgaben ist. Außerdem sind wir auch der Ansicht, wenn Bedürfnisse unterdrückt werden, diese Hemmung den Gesamtorganismus beeinflusst. Wer hungert, kann schlechter politisch arbeiten. Wer seine sexuellen Bedürfnisse nicht annähernd ausleben kann, ist gehemmt. Der Kampf für die sexuelle Befreiung kann ein Hebel zur Freisetzung politischer Energien werden. Anmerkung zur Diskussion
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