Roter Oktober - Schwerpunktthemen
Aus Roter
Oktober Nr. 1, Januar-Februar 2003
Über die imperialistischen Interessen am Irak
Die Vorbereitungen sind im vollen Gange. Die Vorbereitungen
für einen imperialistischen Krieg gegen den Irak! Ca. 250.000 Soldaten
sollen für die Interessen des Imperialismus den Kopf hinhalten.
250.000 Soldaten, die bereit stehen sollen, den Irak mit einem
Angriffskrieg zu konfrontieren, bei dem vor allem die Zivilbevölkerung
das Opfer sein wird. Dies wäre der größte Militäreinsatz
seit langem. Die Entwicklungen schreiten voran und schon morgen kann
dieser Artikel längst unaktuell sein. Die Vorbereitungen sind längst
in die Tat umgesetzt worden. Der Krieg ist seit langem geplant. Der
US-Vizepräsident Richard Cheney sprach bereits am 27. August 2002
ein offenes Wort, beim Kriegsveteranentreffen in Crowford/ Tennessee.
Dort sprach er von der Notwendigkeit eines „präventiven Handelns“
gegen die „tödliche Bedrohung“. Dieses „Handeln“
sei „zwingend erforderlich“. Vorbehalte gegen einen Militäreinsatz
bezeichnete er als „Blindheit“. (Frankfurter Rundschau (FR)
28.08.02, S.1) Schon hier zeigt sich, dass es der USA eigentlich egal
ist, ob im Irak Massenvernichtungswaffen gefunden werden oder nicht.
Der Kriegsplan steht fest. Es ist höchstens eine taktische Frage,
ob man es im Hinblick auf die psychologische Kriegsvorbereitung für
nötig hält, Waffen zu „finden“.
Oder aber man spricht z.B. von einem Versteckspiel des Iraks, aufgrund
dessen man nichts finde, obwohl Waffen existieren würden. Dies
zu propagieren hat Bush ja inzwischen begonnen. Somit ist es egal, ob
die Inspektoren etwas finden oder nicht. Denn „für Washington
steht“ eh schon „zweifelsfrei fest: Saddam Hussein ist im
Besitz von Massenvernichtungswaffen“(www.netscampe.de/ nachrichten/(6.12.02).
Und damit ist schon klar gesagt, dass es von US-Seite nicht um eine
Option des Krieges geht, sondern dieser längst beschlossen ist.
Über die letzten Waffeninspektoren fand man übrigens heraus,
dass unter ihnen Leute mit besten Kontakten zu den Geheimdiensten waren.
Wie einfach ist es da, „Waffenfunde“ zu präsentieren,
ob man real etwas findet oder nicht. Nicht ohne Grund sagte Iraks Vizepräsident
Taha Jassin Ramadan dem BBC: „Wir meinen, die Arbeit der Inspektorengruppe
muss unter der Beobachtung aller Medien stehen“(FR, 06.12.02,
S. 1). Dadurch erhofft Ramadan sich wohl, dass dem Irak unter Medienbeobachtung
nicht einfach etwas untergeschoben werden kann.
Inzwischen ist bekannt geworden, dass die UN auch längst von einem
Krieg ausgeht. Warum sonst hat die UN, bei einem Geheimtreffen im Dezember
2002 37 Millionen € von den 10 Geberländern gefordert.
Warum sonst berichtet die Zeitung „Times“, unter Berufung
auf ein internes UN-Dokument, dass man Lebensmittel für ca. 900.000
Flüchtlinge sammelt? (www.netscape.de/ achrichten/conterview.jsp?cid=354304(23.12.02))
Die kuwaitische Regierung hat 330 Millionen € für einen sogenannten
„Notfall-Fond“, im Kriegsfall, zur Seite gelegt. (FR, 27.12.02,
S. 1)
Oder wundert es z.B. noch wirklich, wenn der australische Ministerpräsident
am 29.11.02 in Sydney forderte, dass Präventivschläge gegen
den sogenannten Terrorismus im Völkerrecht verankert werden müssten?
(FR, 30.11.02) Ja das wäre ganz im Sinne der USA und auch der anderen
imperialistischen Mächte. Es zeigt, dass die guten Kontakte zwischen
USA und Australien nach wie vor bestehen. Schon 1975 arbeitete man sehr
gut zusammen. So finanzierte Australien die reaktionären proindonesischen
Kräfte in Osttimor und gab ihnen Waffen, um mit Massenmord und
Verschleppung gegen die antiimperialistische Organisation „FRETILIN“
vor zu gehen, die auch speziell der USA ein Dorn im Auge war.
Die UN-Resolution 1368 ermöglicht schon jetzt Angriffskriege unter
bestimmten Vorraussetzungen. „Der Weltsicherheitsrat hat damit
eine Weiterentwicklung bisherigen Völkerrechts vorgenommen. Bislang
galt ein bewaffneter Angriff, eine Störung des Weltfriedens, der
Weltsicherheit immer dann, wenn es sich um einen Angriff von einem Staat
auf einen anderen Staat handelte. Mit dieser Resolution - das ist das
entscheidend Neue - sind die völkerrechtlichen Voraussetzungen
für ein entschiedenes, auch militärisches Vorgehen gegen den
Terrorismus geschaffen worden.“ (http://www.bundesregierung.de/
emagazine_entw,-57597/UN-Resolution1368. htm)
Was als Terrorismus bezeichnet wird, was als ein Angriff eines Landes
auf ein anderes bezeichnet wird, dass wird von den imperialistischen
Mächten je nach den gerade vorliegenden eigenen Interessen neu
definiert. Die UN-Resolution, wurde mit nötigen Veränderungen
nach dem 11.September 2001 begründet. Ebenfalls nicht ohne Grund
wurde von Anfang an immer wieder eine angebliche Verbindung von Irak
und El Kaida in den Medien verlautbart.
Der US-Imperialismus manifestiert seine Entschlossenheit derweil mit
scharfen Drohungen. Angeblich um potenzielle Gegner von Einsätzen
von Chemie oder biologischer Waffen abzuschrecken droht man damit, im
Gegenzug mit „überwältigender Gewalt“ und „allen
Optionen“ zu reagieren. (FR, 12.12.02, S. 1) „Washington
droht ausdrücklich auch mit nuklearer Vergeltung“. (Ebenda)
Und die Drohung eines nuklearen Anschlags soll uns dann paradoxerer
Weise auch noch als Kampf gegen Massenvernichtungswaffen verkauft werden.
Was sind denn Nuklearwaffen anderes als die „effektivsten“
Massenvernichtungswaffen? Dass dieser Drohung auch Nachdruck verliehen
wird, zeigt der Umstand, dass im Januar 2003 ein britischer Flottenverband
in den Golf auslaufen soll, der auch ein Atom-U-Boot beinhaltet, wie
das Ministerium des britischen Kriegsministers Geoff Hoon bestätigte.
(FR, 19.12.02, S. 6)
Das irakische Volk ist Opfer von Krieg
und Embargo
1991 wurden 110.000 Luftangriffe gegen den Irak geflogen, 88.500 Tonnen
Bomben abgeworfen. Deren Gesamtsprengkraft ist siebeneinhalb mal so
hoch wie die Atombombe, die auf Hiroshima abgeworfen wurde. Unter den
Waffen befanden sich auch fünf Tonnen schwere Benzin-Luft-Brandbomben,
die eine Druckwelle annähernd der von Atomwaffen erzeugten. Über
Basra, der zweitgrößten Stadt des Iraks, und den Nationalstraßen
wurden Fächerbomben mit 250 Minibomben abgeworfen. Mit der Bezeichnung
„Totenstraße von Basra“ ging es in die Geschichte
ein. Napalmbomben wurden eingesetzt. Die US-Luftwaffe setzte panzerbrechende
Geschosse mit insgesamt 10.000 Tonnen angereichertem Uran ein. Diese
radioaktive und hochgiftige Munition hat allein bei rund 25.000 US-Soldaten
das sogenannte Golfkriegssyndrom hervorgerufen. Hunderte sind bereits
gestorben, 67 % der Kinder der Golfkriegsveteranen kommen mit Missbildungen
und seltenen Krankheiten zur Welt.
Die Opfer allein der militärischen Aktionen werden auf über
100.000 geschätzt. (Vom US-Militärgeheimdienst Defense Intelligence
Agency.)
Und die Bombardements trafen nicht nur Chemie- und Rüstungsfabriken,
bzw. Objekte, die der Kriegsführung des Iraks dienten. So wurden
beispielsweise die Fabrik zur Produktion von Baby-Nahrung in Abu Ghrain,
die Pflanzenölfabrik Al Ma’Mun und die Zuckerfabrik in der
Provinz Meisan bombardiert. In Al Taji wurde das größte Lager-
und Umschlagzentrum für gefrorenes Fleisch zerstört.
Durch die Sanktionen gegen den Irak ist die Lebenssituation der irakischen
Bevölkerung drastisch gesunken, sie leben unter dramatischen Bedingungen,
die mit der momentan verfolgten Politik nicht auf Besserung hoffen lassen.
Bereits im August 1991 (kurz nach Ende des direkten Krieges) berichtete
UNICEF, dass 47.500 Menschen an den Folgen der Sanktionen gestorben
sein. Mittlerweile sieht selbst die UN-Organisation die Sanktionen als
Ursache für den vorzeitigen Tod von rund einer Millionen Menschen
- etwa die Hälfte davon Kinder unter fünf Jahren.
In Zeiten des sogenannten Friedens, der Pause zwischen den Kriegen,
starben laut UNESCO über 500.000 Kinder. Das sind 150 Kinder täglich
an den Folgen der verhängten Sanktionen gegen den Irak. Die Kindersterblichkeit
ist von 1990 bis 1999 um 160 % gestiegen (laut UNICEF). Im Jahr 2000
litten 30 % der irakischen Kinder unter fünf Jahren an chronischer
und 7 % an akuter Unterernährung. Der Analphabetismus ist von 20
% im Jahr 1987 auf 42 % im Jahr 1995 gestiegen. Die Einschulungszahlen
sind auf 53 % zurückgegangen.
Das wird in einem neuen Krieg gegen den Irak nicht anders sein. Nach
einer Studie der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges
und in sozialer Verantwortung (IPPNW) ist von 48.700 bis 261.000 Toten
auf allen Seiten im Falle eines konventionellen drei Monate andauernden
Krieges zu rechnen. Käme es zusätzlich zu einem Bürgerkrieg
im Irak oder zu atomaren Anschlägen, würde sich die Zahl der
geschätzten Todesopfer auf 375.000 bis 3.889.100 erhöhen.
Und diese Schätzungen beinhalten nur die Opfer direkter Kriegshandlungen
und nicht der Folgen.
(vgl. http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/regionen/Irak/Stimmen/ippnw.html)
Man geht weiter davon aus, dass allein durch den Wegfall der Infrastruktur
200.000 Menschen sterben würden.
Wir sind nicht in der Lage einschätzen zu können, ob die Prognose
der IPPNW realistisch ist, da wir nicht vorhersehen können, wie
intensiv und mit welchen Mitteln der Krieg geführt werden wird.
Es geht uns darum zu zeigen, in welchen Ausmaß die irakische Zivilbevölkerung
betroffen sein wird. Dass ein Massenmord im Irak stattfinden wird, wenn
wir - die internationale Antikriegs-Bewegung - ihn nicht verhindern.
Krieg gehört zum Imperialismus
wie das Amen in der Kirche
Die Verbindung von kapitalistischen Interessen und Kriegen wird selbst
von den Kriegsparteien ab und an zugegeben. Z.B. sagte der damalige
US-Präsident Woodrow Wilson am 5.9.1919 im Hinblick auf den ersten
Weltkrieg: „Gibt es einen Mann oder eine Frau – ja lasst
mich sagen, gibt es ein Kind -, das nicht weiß, dass der Samen
des Krieges in der modernen Welt der industrielle und wirtschaftliche
Wettbewerb zwischen den Nationen ist? […] Dies war ein Industrie
und Handelskrieg“ (Aus „Krieg und Gesellschaftssystem“,
Lion Wagner, S. 277)
Wie ist also der Kriegsbegriff zu definieren?
„Der Krieg ist die Fortsetzung und das wirklich oder scheinbar
letzte Mittel der Innen- und Außenpolitik von Klassen sowie politischen
Gruppen mittels beidseitiger Anwendung organisierter bewaffneter Gewalt
zur Herstellung und Erhaltung beziehungsweise Beseitigung und Minderung
von Ausbeutungsverhältnissen (Kampf um das Mehrprodukt beziehungsweise
den Mehrwert […])“.(ebenda, S. 291) Im Imperialismus, also
dem Stadium in dem wir leben, wachsen die Widersprüche, die unterschiedlichen
Interessen der verschiedenen imperialistischen Mächte (tendenziell)
immer weiter. So wird die Wahl des Mittels Krieg zunehmend zur letzten
Chance der Kapitalisten, um ihre Interessen durchzusetzen. Imperialistische
Kriege finden in der Regel zwischen den „nationalen Kapitalistenklassen
statt und werden um eine ökonomische und territoriale Aufteilung
der Welt, das heißt um fremdnationale Ausbeutungsbereiche (Mehrwertquellen)
geführt“. (ebenda, S. 313)
Der Imperialismus führt tendenziell zu ökonomischen Krisen.
Grund dafür ist der tendenzielle Fall der Profitraten, der zwar
eine Zeitlang aufgehalten werden kann, aber eben nicht auf Dauer. Eine
Möglichkeit, den tendenziellen Fall der Profitraten aufzuhalten,
ist es, andere Länder zu erobern (rein wirtschaftlich, oder auch
mittels militärischer Gewalt), zu unterwerfen und auszubeuten!
Solange es Imperialismus gibt, gibt es die unterschiedlichen Interessen
der verschiedenen Mächte. Solang es Imperialismus gibt, wächst
zunehmend die Kriegsgefahr! Dass es zwischen dem US- und dem deutschen
Imperialismus wohl auch grundlegende Widersprüche gibt, die zu
Spannungen führen, das gibt der US-Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld indirekt zu: „Nach Ansicht Rumsfelds wurden die Spannungen
im deutsch-amerikanischen Verhältnis nicht durch die Haltung der
Bundesregierung zu einem Irak-Krieg ausgelöst. […] Worin
er statt der Differenzen über den Irak die Ursache für die
Spannungen zu Berlin sieht, erläuterte Rumsfeld allerdings nicht.“
(FR, 28.11.02) Wer weiß, vielleicht wird er ja mal zu einem
späteren Zeitpunkt, wie Woodrow Wilson, offen sprechen. Nein, aber
Rumdsfeld hat vollkommen Recht. Nicht die unterschiedlichen Auffassungen
zum Irak-Krieg sind die Ursache der Spannungen. Die Spannungs-Ursache
sind unterschiedliche Kapitalinteressen. Die unterschiedliche Position
zum Irak-Krieg ist somit eine Wirkung dieser unterschiedlichen Kapitalinteressen!
Kriegsursachen sind stets politökonomisch zu begründen! (siehe
dazu auch „Krieg und Gesellschaftssystem“, Lion Wagner,
S. 277ff)
„Worauf es uns ankommen muss, ist nicht, die moralische Unvernünftigkeit
des Krieges zu beweisen – denn das besorgt der Krieg schon selbst
-, sondern die historische Vernunft zu erkennen, die er innerhalb der
Klassengesellschaft hat“. (nach „Krieg und Gesellschaftssystem“,
S. 402) Franz Mehring
Öl: der wichtigste Rohstoff für die imperialistische
Wirtschaft!
Wie schon beschrieben gibt es unterschiedliche Interessen in den Reihen
der verschiedenen imperialistischen Mächte. Der Irak galt lange
als das Land was über die zweitreichsten Ölvorkommnisse verfügt
(ca. 15,1 Mrd. Tonnen). Nur Saudi-Arabien, habe noch größere
Reserven (ca. 35,8 Mrd. Tonnen = ein Viertel aller bekannten Weltreserven).
Ohne Öl würden riesige Industriezweige ins Stoppen geraten.
Würden Waren-Transporte über Straßen und Luftwege
für die Kapitalisten unmöglich. Die wirtschaftliche Produktion
würde erliegen, da Öl der Hauptenergieträger ist und
sich in fast allen Produkten befindet. Ohne Öl kein Kerosin und
sonstiges Benzin. Das bedeutet auch, dass ohne Öl keine Luftangriffe
geflogen werden können, keine Panzer fahren können etc. Nicht
ohne Grund wird immer wieder von den hoch entwickelten Industriestaaten
(darunter natürlich auch Deutschland) von der OPEC „eine
höhere Förderung und damit Senkung der Preise“ (Handelsblatt,
25.09.00, S. 12) für Öl gefordert. Wie im zitierten Beispiel
beim damaligen G7 Treffen in Prag. Eine Steigerung der Fördermenge
entspreche einem Überangebot. Denn die Internationale Energie Agentur
(IEA) kommt immer wieder zu dem Schluss, dass die Behauptung,
es gäbe Öl-Knappheit, falsch ist. „Von Knappheit kann
keine Rede sein. Die Ölproduktion entspricht momentan in etwa dem
Verbrauch“ (Süddeutsche Zeitung, 22.09.00, S. 6), und daran
hat sich inzwischen nichts Wesentliches geändert.
Über die Öl-Interessen
in der Golfregion/ Irak -Die OPEC-Länder und die Widersprüche
zu den imperialistischen Großmächten -
Die Organisation erdölexportierender Staaten war von Anfang an
der Versuch ein Kartell zu gründen, das die Ölpreise der gesamten
Welt diktiert.
Maßgeblichen Anteil an der Gründung hatte Juan Pablo Pérez
Alfonzo, ab 1958 Minister für Bergbau- und Öl-Angelegenheiten
in Venezuela. Alfonzo versuchte die Erdölquellen zu verstaatlichen,
dies scheiterte jedoch am Boykott der US-Ölkonzerne, welche diese
kontrollierten. Auf seine Steuerreform, mit welcher er mehr Abgaben
von den Ölkonzernen forderte, reagierte die USA mit der Durchsetzung
eines weltweiten Ölembargos gegen venezolanisches Öl. Nach
zähen Verhandlungen mit arabischen Ländern, wo die USA ähnlichen
Einfluss hatte (und noch hat), wurde am 14.09.60 in Bagdad (der Hauptstadt
des Iraks) das OPEC-Kartell gegründet. Ziel war es, wenigstens
einheitliche Verträge mit den Ölkonzernen zu erzwingen. Über
Förderquoten wird versucht, dass es zu keinem ‚Überangebot’
an Öl kommt. Denn dieses würde die Preise senken. An einer
Preissenkung hätten natürlich die Länder, die sehr viel
Öl verbrauchen, ein großes Interesse. Derzeit gehören
der OPEC 11 Länder an: Algerien, Indonesien, Irak, Iran,
Kater, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen
Emirate und Venezuela.
An den Mitgliedsländern sieht man schon den starken Einfluss arabischer
Staaten. Wie wir weiter unten noch darstellen werden, wird seit
langem von der USA, Deutschland und den anderen imperialistischen Ländern,
jeglicher Versuch, die Gründung eines vereinten arabischen Staates
voran zu treiben, vehement bekämpft. Die OPEC, und innerhalb dieser
speziell die arabischen Staaten, hat/haben die Macht über riesige
Ölreserven. Und diese Macht hätte jedes imperialistische Land
nur zu gern für sich. So verfügt die OPEC über 78,8 %
der weltweiten Erdölreserven (Quelle: BP 2001, isw-Berechnung,
isw-spezial 15). Die westlichen Industrieländer (OECD = Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Ihr gehören
29 westliche Industrieländer an. Quelle: http://www.datenschutz-berlin.de/doc/int/oecd/)
hingegen nur über 8,1%. Und das, wo sie 62,4% des weltweit geförderten
Öls verbrauchen. 41,5% des weltweit geförderten Öls kommt
aus OPEC-Ländern. In der Liste der größten Öl-Reserve-Länder,
kommt erst an siebter Stelle ein nicht – OPEC-Land. Und die ersten
fünf Länder kommen allesamt aus der Golf-Region! (BP Word
Energy Review 2001, nach isw-spezial 15)
Dass es in der Region des Mittleren Osten vor allem um Öl geht
ist nichts neues. Der albanische Kommunist Enver Hoxha schrieb im Dezember
1977: „Man weiß, dass der Mittlere Osten eine Region von
großer strategischer Bedeutung ist, was die Vorkommen an Erdöl
und anderen Naturschätzen, die Absatzmärkte wie auch ihre
militärische Stellung in Hinsicht auf einen eventuellen großen
Krieg betrifft. Die Militärflotten auf dem Mittelmeer, […],
sind eifrig bemüht, ihre ständigen Stützpunkte in den
Ländern dieses Beckens zu schaffen“. (Enver Hoxha, Betrachtungen
über den Nahen und Mittleren Osten, S. 204f) „Hinter allem,
was im Mittleren Osten getan wird, steckt das Erdöl“. (ebenda,
S. 332) Und aus den ganzen Machenschaften der verschiedensten Länder
in dieser Region, schlussfolgerte Hoxha: „Es versteht sich, wozu
all diese Anstrengungen unternommen werden. Um das Erdöl“.
(ebenda, S. 334) Der Gründer der KPD/ML, Ernst Aust, nannte aus
diesem Grund auch schon 1980 den Persischen Golf als „Zeitbombe“.
(Ernst Aust, Der wachsenden Kriegsgefahr begegnen, S. 17, 1980) Auch
er sah, dass in diesem Gebiet die Interessen der Imperialisten aufeinander
treffen und schrieb weiter: „Ein weiter Punkt, an dem sich ein
dritter Weltkrieg entzünden könnte, ist das Gebiet des Persischen
Golfs, der Nahe Osten. Ein Gebiet, auf das sich wegen seines Ölreichtums
die begehrlichen Blicke der Imperialisten, der Supermächte richten.".
(ebenda)
Erreichen die imperialistischen Länder einen noch weiter zunehmenden
Einfluss in einzelne oder mehrere OPEC-Mitgliedsstaaten, so würde
dieser Einfluss dazu genutzt werden können, die OPEC-Politik im
Sinne der eigenen Interessen zunehmend zu bestimmen.
Die Fördermenge, die der Irak auf den Markt schmeißt, ist
aber nicht rein von der OPEC abhängig, sondern von den Sanktionen,
die dem Irak verhängt wurden. Der Irak wäre durchaus in der
Lage weitaus größere Mengen zu fördern. Im Jahre 2000
wurden 128,1 Mio. Tonnen gefördert, die Öl-Reserven des Iraks
wurden im Jahre 2001 hingegen auf ca. 15,1 Mrd. Tonnen (BP Word Energy
Review 2001, nach isw-spezial 15) geschätzt.
Die imperialistischen Länder leben nicht einfach in den Morgen
hinein. Nein, sie versuchen natürlich auch, ihre Profitraten für
die Zukunft zu ‚garantieren’. In der Region des persischen
Golfes liegen mindestens zwei Drittel der weltweit bekannten Ölreserven.
Werden keine neuen Ölquellen gefunden, so wird derzeit davon ausgegangen,
dass die Ölvorkommnisse in der Nordsee in ca. 10 Jahren zur Neige
gehen könnten. Europa importiert derzeit ca. 40% seines Ölbedarfs
aus dem Mittleren Osten., die USA ca. 20% und Japan gar ca. 80%. Mit
der beschriebenen Vermutung der Nordsee-Entwicklung hätte Europa
ca. im Jahre 2020 kein eigenes Öl mehr. Der Öl-Handel wird
auch in Zukunft ein Bombengeschäft sein. Nach zurückgehenden
Einnamen der OPEC Länder von 1998 – 2000, gingen die Einnamen
wieder drastisch nach oben. War die Summe der Einnahmen aus dem Export
von Öl und der Erdölproduktion (der OPEC-Länder) 1998
noch mit 103 Milliarden Dollar berechnet, so waren es 2000 schon 211
Mrd. Davon gingen allein 74 Mrd. auf das Konto der Herrschenden Mächte
von Saudi-Arabien. (Quelle der Zahlen des Absatzes: isw spezial 15,
S. 25)
Irak, das erdölreichste Land der Welt
Wir haben oben geschrieben, dass der Irak lange als das Land galt, was
über die zweitreichsten Ölvorkommnisse verfügt. Was heißt
dies? Hat sich daran etwas verändert? Noch im Jahre 2001 galt der
Irak als das Land mit den zweitreichsten Ölvorkommen. Zu einem
Zeitpunkt, als die USA einen Angriffskrieg gegen den Irak plant, stellten
US-Experten plötzlich fest, dass nun der Irak das Land mit den
größten Ölreserven ist. Sprich: die Reserven des Iraks
werden nun noch größer eingeschätzt, als die von Saudi-Arabien
(260 Mio. Barrel). Die Irak-Reserven wurden 2001 noch mit 112 Mio. Barrel
eingeschätzt. Nun vermutete man Reserven in der Höhe von 360
Mio. Barrel. (GDS 10/02)
Vergleicht man die Motivationen beim Kosovo- oder Afghanistan-Krieg,
so geht es nun im Irak um weitaus mehr. Im Irak treffen die unterschiedlichen
Interessen der imperialistischen Mächte aufeinander! Je nachdem
wie sich dieser Konflikt entwickelt, könnte es gar zum Knall zwischen
diesen unterschiedlichen Mächten kommen (auch wenn es derzeit nicht
so aussieht)!