Roter Oktober - Schwerpunktthemen

Aus Roter Oktober Nr. 1, Januar-Februar 2003
Über die imperialistischen Interessen am Irak


Die Vorbereitungen sind im vollen Gange. Die Vorbereitungen für einen imperialistischen Krieg gegen den Irak! Ca. 250.000 Soldaten sollen für die Interessen des Imperialismus den Kopf hinhalten. 250.000 Soldaten, die bereit stehen sollen,  den Irak mit einem Angriffskrieg zu konfrontieren, bei dem vor allem die Zivilbevölkerung das Opfer sein wird. Dies wäre der größte Militäreinsatz seit langem. Die Entwicklungen schreiten voran und schon morgen kann dieser Artikel längst unaktuell sein. Die Vorbereitungen sind längst in die Tat umgesetzt worden. Der Krieg ist seit langem geplant. Der US-Vizepräsident Richard Cheney sprach bereits am 27. August 2002 ein offenes Wort, beim Kriegsveteranentreffen in Crowford/ Tennessee. Dort sprach er von der Notwendigkeit eines „präventiven Handelns“ gegen die „tödliche Bedrohung“. Dieses „Handeln“ sei „zwingend erforderlich“. Vorbehalte gegen einen Militäreinsatz bezeichnete er als „Blindheit“. (Frankfurter Rundschau (FR) 28.08.02, S.1) Schon hier zeigt sich, dass es der USA eigentlich egal ist, ob im Irak Massenvernichtungswaffen gefunden werden oder nicht. Der Kriegsplan steht fest. Es ist höchstens eine taktische Frage, ob man es im Hinblick auf die psychologische Kriegsvorbereitung für nötig hält, Waffen zu „finden“.

Oder aber man spricht z.B. von einem Versteckspiel des Iraks, aufgrund dessen man nichts finde, obwohl Waffen existieren würden. Dies zu propagieren hat Bush ja inzwischen begonnen. Somit ist es egal, ob die Inspektoren etwas finden oder nicht. Denn „für Washington steht“ eh schon „zweifelsfrei fest: Saddam Hussein ist im Besitz von Massenvernichtungswaffen“(www.netscampe.de/ nachrichten/(6.12.02). Und damit ist schon klar gesagt, dass es von US-Seite nicht um eine Option des Krieges geht, sondern dieser längst beschlossen ist. Über die letzten Waffeninspektoren fand man übrigens heraus, dass unter ihnen Leute mit besten Kontakten zu den Geheimdiensten waren. Wie einfach ist es da, „Waffenfunde“ zu präsentieren, ob man real etwas findet oder nicht. Nicht ohne Grund sagte Iraks Vizepräsident Taha Jassin Ramadan dem BBC: „Wir meinen, die Arbeit der Inspektorengruppe muss unter der Beobachtung aller Medien stehen“(FR, 06.12.02, S. 1). Dadurch erhofft Ramadan sich wohl, dass dem Irak unter Medienbeobachtung nicht einfach etwas untergeschoben werden kann.

Inzwischen ist bekannt geworden, dass die UN auch längst von einem Krieg ausgeht. Warum sonst hat die UN, bei einem Geheimtreffen im Dezember 2002  37 Millionen €  von den 10 Geberländern gefordert. Warum sonst berichtet die Zeitung „Times“, unter Berufung auf ein internes UN-Dokument, dass man Lebensmittel für ca. 900.000 Flüchtlinge sammelt? (www.netscape.de/ achrichten/conterview.jsp?cid=354304(23.12.02)) Die kuwaitische Regierung hat 330 Millionen € für einen sogenannten „Notfall-Fond“, im Kriegsfall, zur Seite gelegt. (FR, 27.12.02, S. 1)

Oder wundert es z.B. noch wirklich, wenn der australische Ministerpräsident am 29.11.02 in Sydney forderte, dass Präventivschläge gegen den sogenannten Terrorismus im Völkerrecht verankert werden müssten? (FR, 30.11.02) Ja das wäre ganz im Sinne der USA und auch der anderen imperialistischen Mächte. Es zeigt, dass die guten Kontakte zwischen USA und Australien nach wie vor bestehen. Schon 1975 arbeitete man sehr gut zusammen. So finanzierte Australien die reaktionären proindonesischen Kräfte in Osttimor und gab ihnen Waffen, um mit Massenmord und Verschleppung gegen die antiimperialistische Organisation „FRETILIN“ vor zu gehen, die auch speziell der USA ein Dorn im Auge war.

Die UN-Resolution 1368 ermöglicht schon jetzt Angriffskriege unter bestimmten Vorraussetzungen. „Der Weltsicherheitsrat hat damit eine Weiterentwicklung bisherigen Völkerrechts vorgenommen. Bislang galt ein bewaffneter Angriff, eine Störung des Weltfriedens, der Weltsicherheit immer dann, wenn es sich um einen Angriff von einem Staat auf einen anderen Staat handelte. Mit dieser Resolution - das ist das entscheidend Neue - sind die völkerrechtlichen Voraussetzungen für ein entschiedenes, auch militärisches Vorgehen gegen den Terrorismus geschaffen worden.“ (http://www.bundesregierung.de/ emagazine_entw,-57597/UN-Resolution1368. htm)

Was als Terrorismus bezeichnet wird, was als ein Angriff eines Landes auf ein anderes bezeichnet wird, dass wird von den imperialistischen Mächten je nach den gerade vorliegenden eigenen Interessen neu definiert. Die UN-Resolution, wurde mit nötigen Veränderungen nach dem 11.September 2001 begründet. Ebenfalls nicht ohne Grund wurde von Anfang an immer wieder eine angebliche Verbindung von Irak und El Kaida in den Medien verlautbart.

Der US-Imperialismus manifestiert seine Entschlossenheit derweil mit scharfen Drohungen. Angeblich um potenzielle Gegner von Einsätzen von Chemie oder biologischer Waffen abzuschrecken droht man damit, im Gegenzug mit „überwältigender Gewalt“ und „allen Optionen“ zu reagieren. (FR, 12.12.02, S. 1) „Washington droht ausdrücklich auch mit nuklearer Vergeltung“. (Ebenda) Und die Drohung eines nuklearen Anschlags soll uns dann paradoxerer Weise auch noch als Kampf gegen Massenvernichtungswaffen verkauft werden. Was sind denn Nuklearwaffen anderes als die „effektivsten“ Massenvernichtungswaffen? Dass dieser Drohung auch Nachdruck verliehen wird, zeigt der Umstand, dass im Januar 2003 ein britischer Flottenverband in den Golf auslaufen soll, der auch ein Atom-U-Boot beinhaltet, wie das Ministerium des britischen Kriegsministers Geoff Hoon bestätigte. (FR, 19.12.02, S. 6)


Das irakische Volk ist Opfer von Krieg und Embargo
1991 wurden 110.000 Luftangriffe gegen den Irak geflogen, 88.500 Tonnen Bomben abgeworfen. Deren Gesamtsprengkraft ist siebeneinhalb mal so hoch wie die Atombombe, die auf Hiroshima abgeworfen wurde. Unter den Waffen befanden sich auch fünf Tonnen schwere Benzin-Luft-Brandbomben, die eine Druckwelle annähernd der von Atomwaffen erzeugten. Über Basra, der zweitgrößten Stadt des Iraks, und den Nationalstraßen wurden Fächerbomben mit 250 Minibomben abgeworfen. Mit der Bezeichnung „Totenstraße von Basra“ ging es in die Geschichte ein. Napalmbomben wurden eingesetzt. Die US-Luftwaffe setzte panzerbrechende Geschosse mit insgesamt 10.000 Tonnen angereichertem Uran ein. Diese radioaktive und hochgiftige Munition hat allein bei rund 25.000 US-Soldaten das sogenannte Golfkriegssyndrom hervorgerufen. Hunderte sind bereits gestorben, 67 % der Kinder der Golfkriegsveteranen kommen mit Missbildungen und seltenen Krankheiten zur Welt.

Die Opfer allein der militärischen Aktionen werden auf über 100.000 geschätzt. (Vom US-Militärgeheimdienst Defense Intelligence Agency.)
Und die Bombardements trafen nicht nur Chemie- und Rüstungsfabriken, bzw. Objekte, die der Kriegsführung des Iraks dienten. So wurden beispielsweise die Fabrik zur Produktion von Baby-Nahrung in Abu Ghrain, die Pflanzenölfabrik Al Ma’Mun und die Zuckerfabrik in der Provinz Meisan bombardiert. In Al Taji wurde das größte Lager- und Umschlagzentrum für gefrorenes Fleisch zerstört.
Durch die Sanktionen gegen den Irak ist die Lebenssituation der irakischen Bevölkerung drastisch gesunken, sie leben unter dramatischen Bedingungen, die mit der momentan verfolgten Politik nicht auf Besserung hoffen lassen.

Bereits im August 1991 (kurz nach Ende des direkten Krieges) berichtete UNICEF, dass 47.500 Menschen an den Folgen der Sanktionen gestorben sein. Mittlerweile sieht selbst die UN-Organisation die Sanktionen als Ursache für den vorzeitigen Tod von rund einer Millionen Menschen - etwa die Hälfte davon Kinder unter fünf Jahren.

In Zeiten des sogenannten Friedens, der Pause zwischen den Kriegen, starben laut UNESCO über 500.000 Kinder. Das sind 150 Kinder täglich an den Folgen der verhängten Sanktionen gegen den Irak. Die Kindersterblichkeit ist von 1990 bis 1999 um 160 % gestiegen (laut UNICEF). Im Jahr 2000 litten 30 % der irakischen Kinder unter fünf Jahren an chronischer und 7 % an akuter Unterernährung. Der Analphabetismus ist von 20 % im Jahr 1987 auf 42 % im Jahr 1995 gestiegen. Die Einschulungszahlen sind auf 53 % zurückgegangen.
Das wird in einem neuen Krieg gegen den Irak nicht anders sein. Nach einer Studie der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges und in sozialer Verantwortung (IPPNW) ist von 48.700 bis 261.000 Toten auf allen Seiten im Falle eines konventionellen drei Monate andauernden Krieges zu rechnen. Käme es zusätzlich zu einem Bürgerkrieg im Irak oder zu atomaren Anschlägen, würde sich die Zahl der geschätzten Todesopfer auf 375.000 bis 3.889.100 erhöhen. Und diese Schätzungen beinhalten nur die Opfer direkter Kriegshandlungen und nicht der Folgen.
(vgl. http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/regionen/Irak/Stimmen/ippnw.html)

Man geht weiter davon aus, dass allein durch den Wegfall der Infrastruktur 200.000 Menschen sterben würden.
Wir sind nicht in der Lage einschätzen zu können, ob die Prognose der IPPNW realistisch ist, da wir nicht vorhersehen können, wie intensiv und mit welchen Mitteln der Krieg geführt werden wird. Es geht uns darum zu zeigen, in welchen Ausmaß die irakische Zivilbevölkerung betroffen sein wird. Dass ein Massenmord im Irak stattfinden wird, wenn wir - die internationale Antikriegs-Bewegung - ihn nicht verhindern.
 

Krieg gehört zum Imperialismus wie das Amen in der Kirche
Die Verbindung von kapitalistischen Interessen und Kriegen wird selbst von den Kriegsparteien ab und an zugegeben. Z.B. sagte der damalige  US-Präsident Woodrow Wilson am 5.9.1919 im Hinblick auf den ersten Weltkrieg: „Gibt es einen Mann oder eine Frau – ja lasst mich sagen, gibt es ein Kind -, das nicht weiß, dass der Samen des Krieges in der modernen Welt der industrielle und wirtschaftliche Wettbewerb zwischen den Nationen ist? […] Dies war ein Industrie und Handelskrieg“ (Aus „Krieg und Gesellschaftssystem“, Lion Wagner, S. 277)

Wie ist also der Kriegsbegriff zu definieren?
„Der Krieg ist die Fortsetzung und das wirklich oder scheinbar letzte Mittel der Innen- und Außenpolitik von Klassen sowie politischen Gruppen mittels beidseitiger Anwendung organisierter bewaffneter Gewalt zur Herstellung und Erhaltung beziehungsweise Beseitigung und Minderung von Ausbeutungsverhältnissen (Kampf um das Mehrprodukt beziehungsweise den Mehrwert […])“.(ebenda, S. 291) Im Imperialismus, also dem Stadium in dem wir leben, wachsen die Widersprüche, die unterschiedlichen Interessen der verschiedenen imperialistischen Mächte (tendenziell) immer weiter. So wird die Wahl des Mittels Krieg zunehmend zur letzten Chance der Kapitalisten, um ihre Interessen durchzusetzen. Imperialistische Kriege finden  in der Regel zwischen den „nationalen Kapitalistenklassen statt und werden um eine ökonomische und territoriale Aufteilung der Welt, das heißt um fremdnationale Ausbeutungsbereiche (Mehrwertquellen) geführt“. (ebenda, S. 313)

Der Imperialismus führt tendenziell zu ökonomischen Krisen. Grund dafür ist der tendenzielle Fall der Profitraten, der zwar eine Zeitlang aufgehalten werden kann, aber eben nicht auf Dauer. Eine Möglichkeit, den tendenziellen Fall der Profitraten aufzuhalten, ist es, andere Länder zu erobern (rein wirtschaftlich, oder auch mittels militärischer Gewalt), zu unterwerfen und auszubeuten! Solange es Imperialismus gibt, gibt es die unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Mächte. Solang es Imperialismus gibt, wächst zunehmend die Kriegsgefahr! Dass es zwischen dem US- und dem deutschen Imperialismus wohl auch grundlegende Widersprüche gibt, die zu Spannungen führen, das gibt der US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld indirekt zu: „Nach Ansicht Rumsfelds wurden die Spannungen im deutsch-amerikanischen Verhältnis nicht durch die Haltung der Bundesregierung zu einem Irak-Krieg ausgelöst. […] Worin er statt der Differenzen über den Irak die Ursache für die Spannungen zu Berlin sieht, erläuterte Rumsfeld allerdings nicht.“ (FR, 28.11.02) Wer weiß, vielleicht wird er ja  mal zu einem späteren Zeitpunkt, wie Woodrow Wilson, offen sprechen. Nein, aber Rumdsfeld hat vollkommen Recht. Nicht die unterschiedlichen Auffassungen zum Irak-Krieg sind die Ursache der Spannungen. Die Spannungs-Ursache sind unterschiedliche Kapitalinteressen. Die unterschiedliche Position zum Irak-Krieg ist somit eine Wirkung dieser unterschiedlichen Kapitalinteressen!

Kriegsursachen sind stets politökonomisch zu begründen! (siehe dazu auch „Krieg und Gesellschaftssystem“, Lion Wagner, S. 277ff)
„Worauf es uns ankommen muss, ist nicht, die moralische Unvernünftigkeit des Krieges zu beweisen – denn das besorgt der Krieg schon selbst -, sondern die historische Vernunft zu erkennen, die er innerhalb der Klassengesellschaft hat“. (nach „Krieg und Gesellschaftssystem“,  S. 402) Franz Mehring

Öl: der wichtigste Rohstoff  für die imperialistische Wirtschaft!
Wie schon beschrieben gibt es unterschiedliche Interessen in den Reihen der verschiedenen imperialistischen Mächte. Der Irak galt lange als das Land was über die zweitreichsten Ölvorkommnisse verfügt (ca. 15,1 Mrd. Tonnen). Nur Saudi-Arabien, habe noch größere Reserven (ca. 35,8 Mrd. Tonnen = ein Viertel aller bekannten Weltreserven). Ohne Öl würden riesige Industriezweige ins Stoppen geraten. Würden Waren-Transporte über Straßen und Luftwege  für die Kapitalisten unmöglich. Die wirtschaftliche Produktion würde erliegen, da Öl der Hauptenergieträger ist und sich in fast allen Produkten befindet. Ohne Öl kein Kerosin und sonstiges Benzin. Das bedeutet auch, dass ohne Öl keine Luftangriffe geflogen werden können, keine Panzer fahren können etc. Nicht ohne Grund wird immer wieder von den hoch entwickelten Industriestaaten (darunter natürlich auch Deutschland) von der OPEC „eine höhere Förderung und damit Senkung der Preise“ (Handelsblatt, 25.09.00, S. 12) für Öl gefordert. Wie im zitierten Beispiel beim damaligen G7 Treffen in Prag. Eine Steigerung der Fördermenge entspreche einem Überangebot. Denn die Internationale Energie Agentur (IEA)  kommt immer wieder zu dem Schluss, dass die Behauptung, es gäbe Öl-Knappheit, falsch ist. „Von Knappheit kann keine Rede sein. Die Ölproduktion entspricht momentan in etwa dem Verbrauch“ (Süddeutsche Zeitung, 22.09.00, S. 6), und daran hat sich inzwischen nichts Wesentliches geändert.
 

Über die Öl-Interessen in der Golfregion/ Irak -Die OPEC-Länder und die Widersprüche zu den imperialistischen Großmächten -
Die Organisation erdölexportierender Staaten war von Anfang an der Versuch ein Kartell zu gründen, das die Ölpreise der gesamten Welt diktiert.

Maßgeblichen Anteil an der Gründung hatte Juan Pablo Pérez Alfonzo, ab 1958 Minister für Bergbau- und Öl-Angelegenheiten in Venezuela. Alfonzo versuchte die Erdölquellen zu verstaatlichen, dies scheiterte jedoch am Boykott der US-Ölkonzerne, welche diese kontrollierten. Auf seine Steuerreform, mit welcher er mehr Abgaben von den Ölkonzernen forderte, reagierte die USA mit der Durchsetzung eines weltweiten Ölembargos gegen venezolanisches Öl. Nach zähen Verhandlungen mit arabischen Ländern, wo die USA ähnlichen Einfluss hatte (und noch hat), wurde am 14.09.60 in Bagdad (der Hauptstadt des Iraks) das OPEC-Kartell gegründet. Ziel war es, wenigstens einheitliche Verträge mit den Ölkonzernen zu erzwingen. Über Förderquoten wird versucht, dass es zu keinem ‚Überangebot’ an Öl kommt. Denn dieses würde die Preise senken. An einer Preissenkung hätten natürlich die Länder, die sehr viel Öl verbrauchen, ein großes Interesse. Derzeit gehören der OPEC 11 Länder an:  Algerien, Indonesien, Irak, Iran, Kater, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Venezuela.

An den Mitgliedsländern sieht man schon den starken Einfluss arabischer Staaten. Wie wir weiter  unten noch darstellen werden, wird seit langem von der USA, Deutschland und den anderen imperialistischen Ländern, jeglicher Versuch, die Gründung eines vereinten arabischen Staates voran zu treiben, vehement bekämpft. Die OPEC, und innerhalb dieser speziell die arabischen Staaten, hat/haben die Macht über riesige Ölreserven. Und diese Macht hätte jedes imperialistische Land nur zu gern für sich. So verfügt die OPEC über 78,8 % der weltweiten Erdölreserven (Quelle: BP 2001, isw-Berechnung, isw-spezial 15). Die westlichen Industrieländer (OECD = Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Ihr gehören 29 westliche Industrieländer an. Quelle:  http://www.datenschutz-berlin.de/doc/int/oecd/) hingegen nur über 8,1%. Und das, wo sie 62,4% des weltweit geförderten Öls verbrauchen. 41,5% des weltweit geförderten Öls kommt aus OPEC-Ländern. In der Liste der größten Öl-Reserve-Länder, kommt erst an siebter Stelle ein nicht – OPEC-Land. Und die ersten fünf Länder kommen allesamt aus der Golf-Region! (BP Word Energy Review 2001, nach isw-spezial 15)

Dass es in der Region des Mittleren Osten vor allem um Öl geht ist nichts neues. Der albanische Kommunist Enver Hoxha schrieb im Dezember 1977: „Man weiß, dass der Mittlere Osten eine Region von großer strategischer Bedeutung ist, was die Vorkommen an Erdöl und anderen Naturschätzen, die Absatzmärkte wie auch ihre militärische Stellung in Hinsicht auf einen eventuellen großen Krieg betrifft. Die Militärflotten auf dem Mittelmeer, […], sind eifrig bemüht, ihre ständigen Stützpunkte in den Ländern dieses Beckens zu schaffen“. (Enver Hoxha, Betrachtungen über den Nahen und Mittleren Osten, S. 204f) „Hinter allem, was im Mittleren Osten getan wird, steckt das Erdöl“. (ebenda, S. 332) Und aus den ganzen Machenschaften der verschiedensten Länder in dieser Region, schlussfolgerte Hoxha: „Es versteht sich, wozu all diese Anstrengungen unternommen werden. Um das Erdöl“. (ebenda, S. 334) Der Gründer der KPD/ML, Ernst Aust, nannte aus diesem Grund auch schon 1980 den Persischen Golf als „Zeitbombe“. (Ernst Aust, Der wachsenden Kriegsgefahr begegnen, S. 17, 1980) Auch er sah, dass in diesem Gebiet die Interessen der Imperialisten aufeinander treffen und schrieb weiter: „Ein weiter Punkt, an dem sich ein dritter Weltkrieg entzünden könnte, ist das Gebiet des Persischen Golfs, der Nahe Osten. Ein Gebiet, auf das sich wegen seines Ölreichtums die begehrlichen Blicke der Imperialisten, der Supermächte richten.". (ebenda)   

Erreichen die imperialistischen Länder einen noch weiter zunehmenden Einfluss in einzelne oder mehrere OPEC-Mitgliedsstaaten, so würde dieser Einfluss dazu genutzt werden können, die OPEC-Politik im Sinne der eigenen Interessen zunehmend zu bestimmen.

Die Fördermenge, die der Irak auf den Markt schmeißt, ist aber nicht rein von der OPEC abhängig, sondern von den Sanktionen, die dem Irak verhängt wurden. Der Irak wäre durchaus in der Lage weitaus größere Mengen zu fördern. Im Jahre 2000 wurden 128,1 Mio. Tonnen gefördert, die Öl-Reserven des Iraks wurden im Jahre 2001 hingegen auf ca. 15,1 Mrd. Tonnen (BP Word Energy Review 2001, nach isw-spezial 15) geschätzt.

Die imperialistischen Länder leben nicht einfach in den Morgen hinein. Nein, sie versuchen natürlich auch, ihre Profitraten für die Zukunft zu ‚garantieren’. In der Region des persischen Golfes liegen mindestens zwei Drittel der weltweit bekannten Ölreserven. Werden keine neuen Ölquellen gefunden, so wird derzeit davon ausgegangen, dass die Ölvorkommnisse in der Nordsee in ca. 10 Jahren zur Neige gehen könnten. Europa importiert derzeit ca. 40% seines Ölbedarfs aus dem Mittleren Osten., die USA ca. 20% und Japan gar ca. 80%. Mit der beschriebenen Vermutung der Nordsee-Entwicklung hätte Europa ca. im Jahre 2020 kein eigenes Öl mehr. Der Öl-Handel wird auch in Zukunft ein Bombengeschäft sein. Nach zurückgehenden Einnamen der OPEC Länder von 1998 – 2000, gingen die Einnamen wieder drastisch nach oben. War die Summe der Einnahmen aus dem Export von Öl und der Erdölproduktion (der OPEC-Länder) 1998 noch mit 103 Milliarden Dollar berechnet, so waren es 2000 schon 211 Mrd. Davon gingen allein 74 Mrd. auf das Konto der Herrschenden Mächte von Saudi-Arabien. (Quelle der Zahlen des Absatzes: isw spezial 15, S. 25)
 
Irak, das erdölreichste Land der Welt
Wir haben oben geschrieben, dass der Irak lange als das Land galt, was über die zweitreichsten Ölvorkommnisse verfügt. Was heißt dies? Hat sich daran etwas verändert? Noch im Jahre 2001 galt der Irak als das Land mit den zweitreichsten Ölvorkommen. Zu einem Zeitpunkt, als die USA einen Angriffskrieg gegen den Irak plant, stellten US-Experten plötzlich fest, dass nun der Irak das Land mit den größten Ölreserven ist. Sprich: die Reserven des Iraks werden nun noch größer eingeschätzt, als die von Saudi-Arabien (260 Mio. Barrel). Die Irak-Reserven wurden 2001 noch mit 112 Mio. Barrel eingeschätzt. Nun vermutete man Reserven in der Höhe von 360 Mio. Barrel. (GDS 10/02)

Vergleicht man die Motivationen beim Kosovo- oder Afghanistan-Krieg, so geht es nun im Irak um weitaus mehr. Im Irak treffen die unterschiedlichen Interessen der imperialistischen Mächte aufeinander! Je nachdem wie sich dieser Konflikt entwickelt, könnte es gar zum Knall zwischen diesen unterschiedlichen Mächten kommen (auch wenn es derzeit nicht so aussieht)! 
 

 


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