Roter Oktober
Oktober 2005
50
Jahre deutsche Armee
Kein Grund zum Feiern, sondern zum Kämpfen
Remilitarisierung: Am 23. Mai 1949 trat
in der BRD das Grundgesetz Kraft. Bereits wenige Monate später
- im November - schlug Kanzler Adenauer in einem Gespräch mit der
US-Zeitung „The Pain Dealer“ die Bildung einer „autorisierten
deutschen Streitmacht“ vor. Das kam nicht überraschend. Bereits
im Oktober 1948 verkündete die Zeitschrift „US News and World
Report“: „Militärische Führer der Vereinigten
Staaten befürworten ein starkes Deutschland. Sie würden die
Deutschen, wenn das ohne Verschärfung der Gefahr eines Kriegsausbruches
möglich sein sollte, gern wieder bewaffnen. Sie sehen in Deutschland
ein militärisches Potenzial, das viel größer ist als
im übrigen Europa“.
So wurde am 29. August 1950 ein Geheimvertrag unterzeichnet, der die
Gründung der ersten 12 Divisionen vorsah. Im März 1951 wurde
der Bundesgrenzschutz mit bewaffneten Formationen in einer Truppenstärke
von zunächst 10.000 Mann aufgebaut.
Die ehemaligen Generäle der faschistischen Truppen schrieben im
Jahr 1950 im Eifelkloster Himmerod eine Denkschrift, in der sie sich
zur Gründung einer deutschen Armee, wie sie von der USA gewünscht
war, bereiterklärten. Allerdings mit der reaktionären Bedingung,
dass die verurteilten deutschen Kriegsverbrecher freigelassen würden.
Am 25.02.55 ratifizierte der Bundestag die Pariser Verträge. Am
6.Juli 1956 wurde dann das Wehrpflichtgesetz vom Bundestag verabschiedet.
Am 12.11.55 wurden die ersten offiziellen Ernennungsurkunden vom Bundespräsidenten
Theodor Heuss überreicht. Dies ist seitdem der offizielle Gründungstag
der deutschen Armee.
Die Gründung war längst vorbereitet. Auch von der Kriegsindustrie.
So konnten z.B. 1954 gleich drei Firmen (Porsche, Goliath und Auto Union)
serienreife Versuchsexemplare eines Kübelwagens vorzeigen. Daimler-Benz
machte der indischen Regierung 1955 ein Angebot für den Bau eines
schweren Kampfpanzers usw.
Deutsche Armee steht in faschistischer Tradition: Aufgebaut
wurde die deutsche Armee von den ehemaligen Generälen der deutschen
faschistischen Truppen. Somit steht die deutsche Armee auch eindeutig
in dieser Tradition. Und die deutsche Armee macht auch keinen Hehl aus
ihrer Vergangenheit, ja redet sie schön und betreibt somit Geschichtsrevisionismus.
In der Juli-Ausgabe der Gebirgstruppen (Armeezeitung) von 1992 heißt
es: denn es „kämpften die Soldaten der Wehrmacht nicht für
eine Ideologie, sondern für ihr Volk, für ihre Kameraden,
für ihre Familien, für ihre Heimat“. In der Nr. 8/95
der Gebirgstruppen wurde dann nach dieser Verharmlosung auch ganz klar
gesagt, dass man sich in die Tradition der faschistischen Truppen stellt
und dies sogar wichtig für einen Sieg in der Zukunft ist: „Ein
gesünderes Verhältnis zur Tradition, zu den, was war, wird
zur Überlebensfrage. Wer nicht weiß, woher er kommt, wird
die Zukunft nicht gewinnen können“. Also selbst indirekte
Kriegsdrohungen findet man in den Zeitungen der deutsche Armee.
Die deutsche Armee wurde 1870/71 gegründet. Seit dieser Zeit wurden
von ihr zwei Weltkriege ausgelöst. Jedes der Nachbarländer
(mit Ausnahme der Schweiz) wurde seitdem ein- oder zweimal überfallen
oder annektiert.
Kampf gegen Remilitarisierung: Gegen die Remilitarisierung
gab es einen breiten Widerstand. Dieser Kampf wurde verbunden mit dem
Widerstand gegen den Beitritt in den Europakt, sowie in die Nato. Es
gab eine Volksbefragung, die am 24.4.51 verboten wurde, aber dennoch
weiter betrieben wurde. An dieser beteiligten sich über 9 Mio.
Menschen und die Mehrheit sprach sich gegen die Remilitarisierung aus.
Dieser Kampf verzögerte die Gründung der deutsche Armee. Aber
jedes kapitalistische Land versucht natürlich, eine möglichst
starke Truppe aufzubauen, um die Interessen der Kapitalistenklasse auch
militärisch durchsetzen zu können. Und so wurde der Kampf
der Herrschenden gegen die AufrüstungsgegnerInnen immer schärfer.
Am 26.6.51 wurde in Westdeutschland die FDJ, die sich aktiv an diesem
Widerstand beteiligt hatte, verboten (übrigens mit §129a StGB).
Im Verbot wird eindeutig auch auf den Kampf gegen die Remilitarisierung
verwiesen. Am 22.11.51 wurde dann auch ein Antrag zum Verbot der KPD
gestellt, das im August 1956 auch umgesetzt wurde. Bei einer Demo am
11. Mai 1952 in Essen wurde 22 Mal auf die Demonstration geschossen.
Der FDJler und Vater eines fünf-monatigen Kindes, Philipp Müller,
starb dabei. Zwischen 1950 und 55 wurden aufgrund des FDJ-Verbots 6429
Jugendliche in 425 Prozessen zu 1.012 Jahren Knast verurteilt. Hauptgrund
in den Urteilen war wieder die Remilitarisierung. Von 1951 bis 1961
gab es aufgrund der Kriminalisierung des Widerstands bzw. der FDJ und
KPD-Verbote über 200.000 Ermittlungsverfahren! Später gab
es noch weitere. Es gab Berufsverbote. Und auch im Kampf gegen die Notstandsgesetze
gab es Verfolgungswellen.
Deutsche Armee heute: Der ehemalige Kanzler Kohl sagte
in seiner Regierungserklärung vom 30.01.1990: „Deutschland
hat mit seiner Geschichte abgeschlossen. Es kann sich künftig offen
zu seiner Weltmachtrolle bekennen und soll diese ausweiten“. Und
genau das wurde getan. Projekte wie eine EU-Armee, die ja schon 1950
im „Pleven-Plan“ angedacht wurden, werden heute realisiert.
Lagen die Militärausgaben 954 noch bei ca. 3,1 Mrd. Euro, so wird
2005 für die deutsche Armee über 24 Mrd. Euro bezahlt. Hinzu
kommen große Rüstungsprojekte, Euro-Fighter, Panzer, uvm.
Allein die Auslandseinsätze der deutsche Armee haben in der Zeit
der SPD-Grünen-Regierung offiziell 7 Mrd. Euro ausgegeben. Gerade
(28.09.) erst wurde die Ausweitung des Afghanistan-Kriegseinsatzes auf
3.000 Soldaten beschossen. So sind in diesen Wochen ca. 7.000 deutsche
Soldaten im Ausland. Für den deutschen Imperialismus ist es leicht
geworden, Kriegseinsätze, ob in Kosova, Afghanistan oder anderswo
zu beschließen, der Widerstand ist noch sehr gering.
Mit der sog. Anti-Terror-Abwehrzentrale arbeitet nun das Militär
auch offiziell mit der Polizei und den Geheimdiensten zusammen.
Was die neue Regierung will: Die neue Regierung wird
von dem Kriegskurs nicht abrücken. Es soll weitere Kriegseinsätze
geben. Auch der Einsatz der deutsche Armee innerhalb Deutschlands wird
diskutiert. Es wird auch an der Aufrüstung festgehalten. Die EU-Armee
soll die Kampfkraft Deutschlands vergrößern. Auch die Umwandlung
der deutsche Armee in eine Berufsarmee wird vorbereitet usw.
Unser Kampf: Wir haben kein Interesse an dieser imperialistischen
Armee. Es gibt keinen Grund, diese zu feiern, da sie nicht die Interessen
von uns ArbeiterInnen, sondern die Interessen der Kapitalistenklasse
vertritt. Wir müssen also diese Armee bekämpfen. Sie ist der
militärische Arm der Herrschenden. Wollen wir sie effektiv bekämpfen,
so geht dies nur, indem wir der herrschenden Klasse die Machtfrage stellen.
Dazu benötigen wir eine organisierte Kraft, die kommunistische
Partei, die wir aufbauen müssen. Nur in der gewaltsamen sozialistischen
Revolution wird es uns gelingen, die Gewehre umzudrehen, die bürgerliche
Armee zu zerschlagen.
Wir lehnen eine Armee nicht prinzipiell ab. Ein sozialistisches Land
benötigt eine Armee der ArbeiterInnen. Und diese gilt es dann aufzubauen.
Der Hauptfeind steht im eigenen Land, es ist der deutsche Imperialismus!
50 Jahre deutsche Armee, kein Grund zum feiern,
ein Grund zum bekämpfen!
Sofortiger Abzug aller deutschen Truppen aus
dem Ausland!
Keine Auslandseinsätze, egal unter welchem
Vorwand!